Mit breiter Brust ins Auftaktspringen

Vierschanzentournee: In Oberstdorf bejubeln über 30.000 Skisprungfans die weltbesten Adler
Der Schattenberg ruft! Wenn sich am 28. und 29. Dezember die weltbesten Skispringer in der WM-Skisprung Arena in Oberstdorf zum Auftaktspringen der 64. Vierschanzentournee treffen, geht es für die Skisprung-Asse, und allen voran die deutschen Hoffnungen Severin Freund (Rastbüchl) und Richard Freitag (Aue) bereits um Alles oder Nichts. Denn wer beim ersten Springen in Oberstdorf patzt, der kann bereits einpacken und die Hoffnung auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee begraben. In diesem Winter geht der Tournee-Auftakt in Oberstdorf wieder wie gewohnt mit der Qualifikation am 28. und dem Wettkampf am 29. Dezember über die Bühne. Über 30.000 Besucher werden am Schattenberg den Skisprung-Assen zujubeln und sie mit einem langgezogenen „Ziiieeeh“ möglichst weit in die Tiefe tragen. Das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf zählt zu den beliebtesten Veranstaltungen im Skisprung-Weltcup und lockt Jahr für Jahr weltweit ein Millionenpublikum vor die TV-Bildschirme.
Wie wichtig ein guter Start beim Auftaktspringen in Oberstdorf ist, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit: Bei ihren sieben Tourneegesamtsiegen in Folge gewannen die österreichischen Skispringer viermal auch in Oberstdorf, und zwar Stefan Kraft (2014/15), Gregor Schlierenzauer (2011/12), Thomas Morgenstern (2010/11) und Andreas Kofler (2009/10). Wolfgang Loitzl (2008/09) und Gregor Schlierenzauer (2012/13) legten jeweils mit einem zweiten Platz in Oberstdorf den Grundstein für den späteren Tourneeerfolg, Thomas Diethart war 2014/15 beim Auftakt immerhin Dritter geworden.
„Man sieht also: Wer die Tournee gewinnen will, der sollte in Oberstdorf wenigstens unter die Top 3 kommen. Ansonsten wird es ganz schwer“, sagt Stefan Huber, der Geschäftsführer der Skisport und Veranstaltungs GmbH und Generalsekretär des Auftaktspringens. Dr. Peter Kruijer, der Vorsitzende des Skiclubs Oberstdorf sieht es genauso: „In Oberstdorf kann man die Vierschanzentournee noch nicht gewinnen, aber man kann sie bereits verlieren.“
Um die Bedeutung dieser Aussagen wissen auch die deutschen Skispringer wie Freund und Freitag. Das deutsche Duo wird sich nicht gerne an den Auftakt im Vorjahr erinnern, denn mit den Plätzen 13 und 15 in Oberstdorf war die Tournee schnell abgehakt. Am Ende erreichte Richard Freitag den sechsten Platz in der Gesamtwertung, Severin Freund wurde Achter. Ein großer Lichtblick war der Tagessieg von Richard Freitag beim traditionellen Bergisel-Springen in Innsbruck, der erste Tagessieg für einen deutschen Skispringer im Rahmen der Tournee seit Sven Hannawald (Dezember 2002).
In diesem Winter soll es besser laufen für die Skispringer des Deutschen Skiverbandes und die Vorzeichen könnten nicht besser sein. Severin Freund schloss die vergangenen Saison als Weltmeister und Gesamtweltcupsieger ab. Mit seinen mittlerweile 18 Weltcupsiegen schloss der Bayer zu Skisprung-Legende Sven Hannawald auf und kann die Bestmarken von Martin Schmitt (28 Siege) und Jens Weißflog (33 Siege) anpeilen. „Er wird hungrig bleiben“, versichert Bundestrainer Werner Schuster und lässt somit auf eine spannende und erfolgreiche Vierschanzentournee für die deutschen Skisprung-Asse hoffen.
Die besten Adler der Welt hoffen in diesem Jahr wieder auf mehr Glück mit dem Wetter. Im vergangenen Jahr musste das Auftaktspringen in Oberstdorf erstmals in der Geschichte der Vierschanzentournee vorzeitig abgebrochen und wiederholt werden. Aufgrund von Schneefall und heftigem Wind wurde der Wettkampf am 28. Dezember nach elf Springen im ersten Durchgang abgebrochen und am nächsten Tag nachgeholt. Top: Die begeisterten Skisprungfans ließen sich von den Wetterkapriolen die gute Laune nicht vermiesen und feierten stundenlang im dichten Schneefall.
Die deutschen Skisprungfans durften im Allgäu zuletzt im Jahr 2002 groß jubeln, als Sven Hannawald nach seinem historischen Vierfachsieg (2001/2002) erneut das Auftaktspringen in Oberstdorf gewann. Der Sieg des Schwarzwälders war gleichzeitig auch das Ende einer Serie. Von 1998 hatte es in Oberstdorf fünf deutsche Siege in Folge gegeben. Zunächst war dreimal hintereinander Martin Schmitt (Furtwangen) erfolgreich gewesen, dann zweimal Sven Hannawald.
„Es wäre natürlich ein Traum für uns und alle Fans, wenn das Team von Bundestrainer Werner Schuster wieder an Erfolge von damals anknüpfen könnte“, sagt Stefan Huber und gibt sich zuversichtlich: „Mit dem Weltmeistertitel, dem Weltcup-Gesamtsieg und einer großen Portion Selbstvertrauen im Gepäck, sind die Voraussetzungen so gut wie lange nicht!“.
Die Skisprung-Fans werden sich auf jeden Fall vom einzigartigen Flair in der WM-Skisprung Arena am Schattenberg mitreißen lassen. Top-Stimmung ist bereits beim Opening der Vierschanzentournee angesagt, das am 27. Dezember um 19 Uhr im Nordic Park stattfindet: Bei der offiziellen Eröffnung werden traditionell die Teilnehmer der Vierschanzentournee vorgestellt und die anschließende Opening-Party im Kurpark sorgt für die perfekte Auftakt-Stimmung.
Text: Ingo Jensen