Sieben Tage Schnee statt Herbstlaub

Die U14 des Skiclubs Oberstdorf trainiert auf dem Gletscher am Galdhøpiggen. Das Wetter spielt fast durchgehend mit.
Oberstdorf/Juvass – Während im Allgäu die Wiesen noch grün waren und die ersten Blätter fielen, standen zehn junge Rennläuferinnen und Rennläufer des Skiclubs Oberstdorf schon wieder auf Ski. Ihr Ziel war das Sommerskizentrum Galdhøpiggen bei Juvass in Norwegen, am Fuß des höchsten Bergs Skandinaviens. Dort hat die U14 des Vereins Anfang Oktober einen Trainingsblock absolviert, der sich sehen lassen kann.
Für das Trainerteam Pius Rapp und Magnus Nieberle begann die Reise bereits am 6. Oktober. Mit zwei bis unters Dach beladenen Bussen machten sich die beiden auf den langen Weg in den Norden: Ski, Stangen, Werkzeug, Wachs und alles, was ein Trainingslehrgang sonst noch braucht. Die Kinder folgten einen Tag später bequemer per Flugzeug. Am 15. Oktober flogen sie zurück, die Trainer kamen mit dem Material am 16. Oktober gegen 19 Uhr wieder in Oberstdorf an. Für das Trainerduo bedeutete das insgesamt elf Tage weg von zu Hause, die lange Hin- und Rückfahrt mit dem Material inklusive.
Der Aufwand hat sich gelohnt. „Wir hatten extrem Glück mit dem Wetter. Nur ein einziges Mal hat es ein bisschen Unruhe in unsere Planung gebracht“, sagt Trainer Magnus Nieberle. Das ist auf einem skandinavischen Gletscher im Oktober alles andere als selbstverständlich. So kamen die Nachwuchsathleten auf sieben volle Skitage.
Auch das Gelände spielte den Oberstdorfern in die Karten. Der Hang am Sommerskizentrum bietet auf engem Raum fast alles, was man sich für den Einstieg in die Saison wünschen kann: steile Passagen, flachere Abschnitte und dazu Wellen und Geländeübergänge, die die Kinder immer wieder neu fordern. Wer hier sauber durchkommt, ist für die unterschiedlichsten Rennhänge im Winter gut gerüstet.
Den Schwerpunkt legten die Trainer klar auf den Riesenslalom. An sechs Tagen wurde zwischen den großen Toren gearbeitet. Bevor es um Linie und Tempo ging, rückten die Trainer aber zunächst die Basics in den Mittelpunkt: eine stabile Grundposition auf dem Ski und damit Sicherheit in jeder Situation. Gerade nach der langen Sommerpause ist das der Schlüssel, damit die Kinder später auch bei höherem Tempo und in schwierigem Gelände die Kontrolle behalten. Darauf aufbauend ging es an Kantengefühl, Linienwahl und Geschwindigkeit.
Dieser eine Tag kam mit stärkerem Wind und schlechter werdender Sicht. Die Trainer stellten kurzerhand auf Slalom um. Der kürzere, engere Kurs ließ sich unter diesen Bedingungen deutlich besser fahren, brachte den Kindern trotzdem wertvolle Trainingszeit und stellte sie direkt wieder vor neue Herausforderungen.
Doch so ein Lehrgang ist für die Kinder weit mehr als nur Training. Neben dem Ziel, ein Stück besser Ski zu fahren, ist die Reise nach Norwegen jedes Mal auch ein echtes Erlebnis abseits der Piste. Die Gletscher und Gipfel des Jotunheimen, weite Hochebenen und die atemberaubenden Fjorde des Landes hinterlassen bei den jungen Sportlern Eindrücke, die sie so schnell nicht vergessen. Und auch das gemeinsame Unterwegssein schweißt die Gruppe für die kommende Saison zusammen.
Für die jungen Oberstdorfer ist der Trainingslehrgang ein wichtiger Baustein vor dem Winter. Wer im Oktober schon eine Woche lang Tore gefahren ist, steigt mit einem Vorsprung in die Saison ein. Lange Pause gibt es allerdings nicht: Schon ab Donnerstag, 22. Oktober, geht es für die U14 weiter, dann zum Gletschertraining auf den Pitztaler Gletscher.







