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am 23.03.2020

Haus und Baby statt Stangenwald

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Christina Ackermann plant ihre Zukunft nach der Alpin-Karriere

Aufräumen und ausmisten, alles was man in den eigenen vier Wänden so machen kann, bestimmt derzeit auch bei Christina Ackermann den Stundenplan. Schon gut eine Woche nach dem Rücktritt vom alpinen Skisport ist der Ehe-Alltag eingekehrt. „Marvin freut sich sehr auf das normale Leben jetzt“, sagt sie, „bislang war das ja nur partiell möglich.“ Zehn Monate nach der Hochzeit laufen die Planungen für die Zukunft auf Hochtouren.

„Gerade habe ich noch meinen allerersten Pokal in einen Schrank geräumt,“ erzählt Christina Ackermann. Die wichtigsten Trophäen bekommen einen Ehrenplatz. Und dazu zählt dieser Pokal eben, den sie bei einem Pumuckl-Rennen gewonnen hat. Vor 22 Jahren übrigens. Danach folgte, über starke Leistungen im Nachwuchsbereich, der Aufstieg in den Weltcup. Der Titel bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Slalom 2010, der erste Podest-Platz im Weltcup, ebenfalls 2010, am Semmering. „Für mich war das damals gar nicht greifbar, ich stand plötzlich neben Maria Riesch und der Österreicherin Marlies Schild, das war unglaublich“, blickt die 30-jährige Slalomspezialistin auf diesen Tag zurück. Dazu kommen drei Olympia-Teilnahmen: „Das Highlight war die erste in Vancouver, eine großartige Erfahrung.“

Auf der anderen Seite stehen jedoch auch drei Operationen, die sie überstehen musste. Zwei Mal am Knie, dazu zuletzt an der Hüfte. „Das Knie haben wir irgendwie ganz gut in den Griff bekommen“, sagt Christina Ackermann. Aber die Hüfte entwickelte sich zu einem echten Problem. „Wenn du nach dem Training nicht mehr richtig geradeaus gehen kannst, dann ist das kein Spaß.“ Die Oberstdorferin hat eine schwere Zeit durchgemacht. Insbesondere in der vergangenen Saison. „An vielen Tagen hatte ich große Schmerzen. Da kommt man dann schnell zu der Einsicht, dass es keinen Sinn macht den eigenen Körper weiter zu quälen.“ Der Entschluss, die Karriere zu beenden, reifte so immer weiter und wurde stets konkreter. Interessant: „Obwohl ich am Start genau wusste, dass dies meine letzte Saison und damit meine letzten Rennen sein würden, war ich überhaupt nicht so locker wie gedacht.“ Dazu viel dann auch noch das geplante „Finale furioso“ aus – als in Are (Schweden), kurz vor dem letzten Slalom, der Wettbewerb wegen des Coronavirus abgesagt wurde. „Meine Kolleginnen und Freundinnen aus dem Weltcup wollten mich eigentlich noch gebührend verabschieden und hatten einiges geplant. Aber natürlich geht die Gesundheit vor, so traurig es letztlich für mich ist“, sagt Christina Ackermann.

Und jetzt? Christina Ackermann lacht. „Ich mache eine Ausbildung im Bereich Sport- und Fitnesstraining, bzw. Personal Training und helfe ein bisschen beim Skiclub Oberstdorf im Nachwuchsbereich. Es wird nicht langweilig.“ Darüber hinaus ist Kontaktpflege angesagt. „So gut es momentan halt geht“, schmunzelt die Ex-Rennläuferin. Heißt: vorwiegend telefonisch. Hauptansprechpartner sind da unter anderem ihre frühere Teamkollegin Nina Perner, mit der sie lange auf einem Zimmer war während der Skisaison. Oder Markus Hirschbiehl, ihr Konditionstrainer und Physiotherapeut der vergangenen acht Jahre. „Da war ich häufiger bei ihm in Berchtesgaden als in Oberstdorf. Das wird mir fast ein wenig fehlen.“
Doch ab sofort gibt’s auch im Oberallgäu viel zu tun. Christina Ackermann plant ihre Zukunft. „Ein Haus in Oberstdorf, das wäre ein Traum“, sagt sie. Nachwuchs darf auch nicht fehlen, logisch. Vielleicht der eine oder andere Job als Model, den sie schon während ihrer Karriere ab und zu ausprobierte („ist nicht das primäre Ziel, aber wenn sich was ergibt, warum nicht…“). Und: Die Flitterwochen, für die seit der Hochzeit im Mai 2019 bislang keine Zeit war, stehen an. Langweilig wird es Christina Ackermann also auf keinen Fall in Zukunft.