Skispringer über der Tribüne der Erdinger Arena

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Grinsen im Dauermodus

Was der Oberstdorfer Johannes Rydzek nach seiner Wahl zum Sportler des Jahres alles erlebte. Aus der Heimat bekam er Hunderte von Glückwünschen auf sein Handy.

Solche Tage stressen einen 25-Jährigen (noch) nicht. Trotz unglaublicher körperlicher Anstrengungen, trotz mentaler Anspannung und trotz des Trubels, wie er ihn um seine Person vorher noch nicht erlebt hatte. Bei Dunkelheit in Ramsau aufgestanden, „mal schnell“ einen Kombi-Weltcup bestritten und Fünfter geworden, mit dem Flieger von Salzburg nach Baden-Baden gejettet, den Titel „Sportler des Jahres“ abgeräumt und dann bis spät in die Nacht gefeiert. „Ja“, sagte Johannes Rydzek „das war schon extrem viel Rummel, aber es ist mir kein einziges Mal zuviel geworden.“ Jede Minute habe er genossen.

Mit Anzug und Fliege präsentiert sich Rydzek mittlerweile ebenso locker wie im Sprung- bzw. Rennanzug. Er freute sich ganz besonders über die Laudatio seines Südtiroler Kollegen und Freundes Samuel Costa („das war ganz schön bewegend“), mit dem er viel Zeit in den Bergen verbringt und den Rydzek wegen seiner schweren Knieverletzung eigentlich hätte trösten wollen. „Dass wir gemeinsam einen so tollen Moment feiern konnten, war umso schöner.“ Ohnehin hätten ihm die Begegnungen mit den anderen, branchenfremden Sportlern extrem viel Spaß gemacht. Rydzek unterhielt sich lange mit Marathon-Läufer Philipp Pflieger, auch mit Ironman-Triumphator Patrick Lange tauschte er sich intensiv aus. Auf der sogenannten Sportiv-Meile lieferte sich Rydzek noch eine Partie Dart mit Ringer-Weltmeister Frank Stäbler. All das konnte der Oberstdorfer aber erst genießen, als er einen wahren Medienmarathon hinter sich gebracht hatte. Unmittelbar nach dem Auslöffeln des Desserts, einer Sahnecreme mit Schokolade und Hagebutten („das habe ich nach so einem Tag dringend gebraucht“), folgte ein ausgiebiges Fotoshooting, dann die offizielle Pressekonferenz sowie ein Spontan-Abstecher ins Radio-Studio von SWR 3. Als Rydzek sich dort auf einem TV-Bildschirm mit der Staffel ein zweites Mal auf die Bühne gehen sah (die Sendung wurde zwei Stunden später ausgestrahlt), ging’s zurück ins Kurhaus , um pünktlich um Mitternacht ein Geburtstagsständchen für seinen Staffelkollegen Fabian Rießle zu trällern. Und immer wieder wurde Rydzek von Gästen, Sponsoren und anderen Sportlern gebeten, sich ein paar Sekunden Zeit für ein gemeinsames Handyfoto zu nehmen: „Ich bin aus dem Grinsen gar nicht mehr rausgekommen“, erzählte Rydzek. Und ganz nebenbei sei sein eigenes Handy „heiß gelaufen“.

Hunderte von Glückwünschen seien aus der Heimat eingetrudelt, er habe noch gar nicht alle lesen können. Wann der Oberstdorfer, der von seiner fünf Jahre jüngeren Schwester Coletta begleitet wurde, die Party verließ und ins Hotelbett fiel, ist nicht überliefert. „Wir waren nicht die ersten, aber auch nicht die letzten“, verrät sein Manager Jens Zimmermann. Nein, bestätigt auch Rydzek, er habe nicht über die Stränge geschlagen. Schließlich stand am nächsten Tag bei der Stuttgarter Zeitung schon der nächste Interview-Termin auf dem Programm. Nun will Rydzek mit Freundin Lissi und seiner Familie ein paar ruhige Tage in Oberstdorf verbringen, ehe am zweiten Weihnachtsfeiertag ein mehrtägiges Trainingslager in Predazzo/Italien ansteht. „Bis dahin werde ich es mir gutgehen lassen“, sagt Rydzek, „und vielleicht realisieren, was für ein geniales Jahr hinter mir liegt.“

Auch Dr. Peter Kruijer (60), Vorsitzender des Skiclubs Oberstdorf ist stolz, jetzt einen "Sportler des Jahres" in den Reihen zu haben: „Wir sind riesig froh, dass es ein so sympathischer Sportler aus unseren Reihen zu diesem Titel gebracht hat. Johannes wird dafür sorgen, dass die nordischen Sportarten an Popularität weiter zulegen. Besonders freut es mich, dass Johannes immer wieder bei den Jüngsten des SCO vorbeischaut und sie motiviert.“

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 19.12.2017

Johannes Rydzek präsentiert seine vier Goldmedaillen