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„Sofort einen Schlag im Knie gespürt“

Der Schock steht ihm noch ein wenig ins Gesicht geschrieben, als er in München aus dem Flugzeug steigt. Skirennläufer Tobias Stechert ist tief enttäuscht.

Der Schock steht ihm noch ein wenig ins Gesicht geschrieben, als er in München aus dem Flugzeug steigt. Skirennläufer Tobias Stechert ist tief enttäuscht. Der 27-jährige Oberstdorfer hatte mit Platz fünf in der Abfahrt von Lake Louise einen sensationellen Saisonauftakt – und nun das. Während des Rennens am Freitag in Beaver Creek schied er mit einer Knorpelverletzung im Knie aus. Es folgte der Abtransport im Akia, dabei war Stechert nicht mal gestürzt. Gestern Mittag dann die Rückkehr nach Deutschland. Der Balderschwanger Reporter Bernd Schmelzer traf den Oberstdorfer am Münchner Flughafen zu einem Exklusivgespräch kurz vor der Fahrt in die Orthopädische Klinik zu Mannschaftsarzt Dr. Ernst-Otto Münch.

Tobias, wie war die Rückreise? Haben Sie wenigstens einigermaßen bequem gesessen?
Tobias Stechert: Kein Problem, ich wurde bestens versorgt. Um entspannt zu fliegen, hatte ich ein Ticket für die Business Class.

Was ist denn genau auf der Raubvogel-Piste in Beaver Creek passiert?
Stechert: Es ist alles sehr schnell gegangen. Ich bin auf dem Innenski etwas weggerutscht, der Außenski war in der Luft und hat dann irgendwann wieder gegriffen und dann habe ich sofort einen Schlag im Knie gespürt.

Sie wurden umgehend ins Vail Medical Center zu Dr. Steadman gebracht und dort untersucht. Das ist die erste Adresse unter den Kniespezialisten. Gab Ihnen das ein gutes Gefühl?
Ich wäre am liebsten nicht dorthin gekommen. (lacht) Dr. Steadman selbst habe ich auch gar nicht gesehen, aber die ärztliche Versorgung war top.

Der zunächst befürchtete Kreuzbandriss ist es ja nun nicht. Haben Sie noch Hoffnung auf die WM in Schladming im Februar?
Nach derzeitigem Stand sehe ich wenig Chancen. Eine Operation ist unumgänglich, um das Knie wieder voll belasten und damit möglichst schnell wieder Rennen fahren zu können.

Wie bitter ist es für Sie persönlich, in Hochform so brutal auf den Boden der Tatsachen zurück versetzt zu werden?
Extrem bitter. Ich habe ja gesehen, dass ich mit den Allerbesten mithalten kann. So ein toller Saisonstart, die Form besser denn je – das tut schon weh.

Der Allgäuer als solcher ist ja eine Kämpfernatur. Wie sieht der Plan für die nächsten Wochen aus?
Ich beginne sofort mit der Reha, alles andere muss man in Ruhe abwarten.

Der angenehme Nebenaspekt – Sie haben jetzt Zeit für Ihre junge Familie. Hilft das?
Ein bisschen sicher. Der Kleine ist ja erst drei Monate alt, den sehe ich jetzt häufiger. Das hilft mir ungemein. Von daher wird es bestimmt ein anderes Weihnachtsfest als ursprünglich mal geplant ...

Interview: Bernd Schmelzer

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