Stadion Auftaktspringen Vierschanzentournee

Körpersprache und Blickrichtung sind wichtig

Die Trainer des SC Oberstdorf lernen, wie sie mit Mentaltraining mit ihren Schützlingen erfolgreicher arbeiten können

Da wird Clemens-Maria Mohr in den nächsten Wochen einiges zu tun haben, um Tobias Stechert nach seiner erneuten Knieverletzung wieder in die Spur zu bringen. Dabei waren die beiden Oberallgäuer auf einem so guten Weg, nachdem sich der 27-jährige Speedspezialist vom Skiclub Oberstdorf in diese Jahr nach etlichen verletzungsbedingten Rückschlägen in die Hände des Mentaltrainers aus Ofterschwang begeben hatte. Dann gleich einmal ein 5. Platz in der Abfahrt von Lake Louise und erstklassige Zwischenzeiten bei der Abfahrt in Beaver Creek, das alles war bis zum folgenschweren Beinahesturz auf der Raubvogelpiste so vielversprechend. „Ohne Mentaltrainer geht es heute fast nicht mehr“, hatte Stechert vor Saisonstart erkannt.

Auch beim SC Oberstdorf hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Rennen werden nicht nur mit Talent, gutem Material und hervorragender körperlicher Vorbereitung gewonnen, sondern vor allem im Kopf, das weiß die Trainerriege ohnehin. Doch oft ist es mit gutem Zureden nicht getan. Alpintrainer Christian Müller wundert sich dann, dass ein Nachwuchsrennfahrer, der zuvor vor Selbstvertrauen nur so zu strotzen scheint, auf der Piste den Ski nicht freigeben kann. Und dem Sprungtrainer Ralph Schmid ist es ein Rätsel, dass ein junger Springer mit Leidenschaft dabei ist, fast Kopf und Kragen riskiert, aber leider im Wettkampf doch nichts reißt. Über diese Probleme, aber auch um Fragen von Selbstüberschätzung und Zweifeln, von Angst und Adrenalinkick ging es in dem zweitägigen Seminar, das Mentaltrainer Peter Tümmers von ICO für die Coaches aus Skisprung, Langlauf und Alpinabteilung durchführte.

Auf die Körpersprache und die Blickrichtung der kleinen Athleten zu achten, war dabei eine Empfehlung. Wer von einem Bein auf andere tritt, an dem könne man ganz gut die innere Zerrissenheit ablesen und wer Augenkontakt nicht halten kann, sei sicher jemand, der nicht so recht mit der Tatsache rausrücke.

Vor Wettkämpfen sollten nicht alle Fehler rekapituliert werden, sondern positive Formulierungen überwiegen. „Wenn du als Trainer kurz vor dem Start noch schnell den Tipp gibst, nicht auf den Innenski zu gehen, werde genau das passieren, prophezeite Tümmers. Der Mentaltrainer erläuterte auch den Zusammenhang von schweren Stürzen und dem anschließenden „Verweigern“ in vergleichbaren Situationen, ausgelöst von „Triggern“, den Schlüsselreizen. Das Gehirn speichere nicht Gedanken, sondern Bilder, so Tümmers. Mentales Training könne helfen, unschöne Erinnerungen in ein unwichtiges Eck des Gesichtsfeldes zu schieben. Bilder, die Momente von Erfolg und Glück ausdrücken, können dagegen zentral abgelegt und vor großen Herausforderungen hervorgeholt werden.

Die Sprungtrainer Catrin Schmid, Christian Raimund und Ralph Schmid, Langlaufscoaches Alois Hartmann und Andreas Huber sowie die alpinen Christian Müller und Stefan Kobler steuerten nicht nur viele Erfahrungen aus dem Trainingsalltag bei, sondern machten auch ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit mentaler Schulung. Am Ende des Seminars ging es, wie eingangs angekündigt, hinauf in den Sky-Walk-Park in der Erdinger Arena. Alle, auch die Skeptiker trauten sich hinauf auf einen zehn Meter hohen wackligen Baumstamm, gesichert zwar, aber am Ende freistehend. Mentales Training kann schon im Nachwuchsbereich eine Menge Positives bewirken, davon waren die sieben Coaches nach dem Seminar überzeugt. Beim SC Oberstdorf sind die ersten Schritte getan.

Mentaltraining beim Skiclub Oberstdorf
Mentaltraining beim Skiclub Oberstdorf
Mentaltraining mit der Impulse Company ICO
Mentaltraining mit der Impulse Company ICO