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Im Wechselbad der Gefühle

Wie Laura Gimmler vom SC Oberstdorf ihren ersten Tour-Einsatz erlebte

Die Anzeigetafel verhieß nichts Gutes, doch Laura Gimmler ließ sich die Freude nicht vermiesen. Das Nesthäkchen im deutschen Team lächelte nach seiner Premiere bei der Tour de Ski – und das, obwohl es einen Platz nach dem anderen nach hinten durchgereicht wurde. Am Schluss belegte die 21-Jährige vom SC Oberstdorf den letzten Rang beim Prolog über 3,3 Kilometer. „Es ist gar nicht gut gelaufen. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht“, sagte die deutsche Sprint-Meisterin, die vor 4.500 Zuschauern im Langlauf-Stadion Ried Weltcup-Luft schnupperte. „Ziemlich nervös“ sei sie gewesen, bekannte die B-Kaderathletin, die 2013 in Liberec (Tschechien) schon Staffelbronze bei der U23-WM gewonnen hat. Ein weiteres Top-Ergebnis gelang ihr Anfang 2014 mit Platz fünf über 10 Kilometer im klassischen Stil bei der U23-WM in Val di Fiemme (Italien). Doch auf diesen Ergebnissen kann sich ein Talent wie Laura Gimmler nicht ausruhen. Ihr Ziel ist es, den Sprung in den A-Kader zu schaffen. Dafür hat sie den Sommer über intensiv ihre Grundlagen trainiert, wozu auch lange Läufe von eineinhalb bis zwei Stunden gehörten, bei denen sie um die 15 bis 20 Kilometer abspulte. Auf dem Weg zum Profi sieht sie Oberstdorf als lehrreiche Durchgangsstation.

„So einen Tag wie heute, den gibt es eben. Ich bin ja noch jung“, bilanzierte die Allgäuerin. Dass sie im Team angekommen ist, beweisen die Reaktionen ihrer Kolleginnen. Als sie mit Startnummer 19 die erste Runde hinter sich gebracht hatte, feuerten sie die auf ihren Start wartenden Steffi Böhler (33, Ibach), Lucia Anger (23, SC Oberstdorf) und Sandra Ringwald (24, Schonach) an: „Auf geht’s Laura“, riefen sie ihr zu: „Hau rein.“ Doch das war leichter gesagt als getan für den Tour-de-Ski-Neuling. Vermutlich war es die Aufregung, die schwere Beine bei Gimmler verursachte. Sie wollte es beim Heimrennen vor Familie und Freunden einfach zu gut machen. Und fand dann am gefürchteten Anstieg am Burgstall ihren Meister. Diese „Kante“ hat nicht umsonst einen legendären Ruf unter den Langläufern. Als „sehr anspruchsvoll“ empfand sie Claudia Nystad (36, Oberwiesenthal), als „brutal heftig“ Hanna Kolb (23, TSV Buchenberg). Mit anderen Worten: Die anderen mussten sich auch quälen, hatten aber einen Vorteil: die Erfahrung. „Ein, zwei Lehrjahre braucht man“, sagte Nicole Fessel (31), die als dienstälteste Allgäuerin die Führungsrolle im deutschen Team übernommen hat. Sie weiß, dass Biss gefragt ist, um sich diese Position zu erkämpfen: Vor zehn Jahren, als Fessel so alt war wie Laura Gimmler jetzt, belegte sie Platz 55 bei der Heim-WM in Oberstdorf. Von der Weltmeisterschaft träumt die „Neue“ im deutschen Team derzeit auch. Allerdings von der U23-WM in Kasachstan. Für dieses Ereignis will sie sich qualifizieren. Die nächste Chance bietet sich beim Continental-Cup (zweite Liga) in Val di Fiemme. „Dass ich bei der Tour de Ski überhaupt dabei sein konnte und ins Ziel kam, stärkt das Selbstvertrauen“, sagt Laura Gimmler. Im nachfolgenden Rennen über 10 km klassisch lief es für sie schon besser: Platz 64 unter 68 Starterinnen.

Text: Tobias Schuhwerk, Allgäuer Anzeigeblatt

Laura Gimmler und Liese Hartmann
Laura Gimmler und Liese Hartmann