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Frohgemut trotz vieler Fragezeichen

Obwohl die Saison-Vorbereitung äußerst holprig verlief, herrscht bei Allgäuer Top-Athleten vor dem Weltcupstart Zuversicht. Hannes Dotzler bangte sogar um seine Karriere

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – vor allem, wenn es um die Gesundheit von Sportlern geht. Um niemanden anzustecken, setzt sich die leicht erkältete Nicole Fessel auch nur kurz für ein gemeinsames Foto an den Tisch, an dem Sebastian Eisenlauer und Hannes Dotzler dem AZ-Reporter schon eine Zeit lang davon berichten, wie holprig zum Teil die Vorbereitung war und zuversichtlich sie dennoch der neuen Saison entgegenblicken. Auch die Oberstdorferin Nicole Fessel, einzige A-Kader-Langläuferin im Deutschen Skiverband, freut sich auf den Weltcup-Start am Wochenende in Kuusamo (Finnland), erwartet sich aber keine Wunderdinge. Zusammen mit DSV-Trainer Stefan Dotzler (53) aus Sonthofen wagen wir einen Formtest.

Nicole Fessel
Die Staffel-Bronze-Medaillengewinnerin von Sotschi war nach den ersten längeren Trainingsblöcken im Oktober am Dachsteingletscher und im Schnalstal mit ihrer Vorbereitung „hochzufrieden“. Auch die gemeinsamen Einheiten mit den „Jungs“ empfand sie als sehr wertvoll: „Gemischte Trainingsgruppen sind bei anderen Nationen
eher die Ausnahme, aber ich denke, wir Mädels profitieren davon auf jeden Fall“. Anfang November aber ereilten Fessel die fast schon obligatorischen Probleme mit der Gesundheit. „Ich habe zwar akzeptiert, dass mein Körper anfälliger ist als andere. Wenn dann was im Anflug ist, falle ich nach zwei, drei Tagen in ein großes Loch.“ Zwei Wochen musste sie pausieren und verpasste den ersten Block des Intensivtrainings im norwegischen Sjusjoen. „Die Einheiten fehlen mir momentan schon noch.“ Entsprechend bescheiden sind ihre Ziele für Kuusamo: „Ich verspreche mir nicht so viel, muss erst wieder reinkommen und will mich von Wettkampf zu Wettkampf steigern.“ Die wichtigsten Saisonziele für sie seien ohnehin die Tour de Ski mit den Heimrennen in Oberstdorf (3./4. Januar) und die Weltmeisterschaft in Falun: „Die WM-Medaille fehlt mir ja noch. Und wer weiß, wie lange ich noch dabei bin“, sagt die 31-Jährige. Die größten Chancen sieht sie mit der Staffel: „Wenn alle vier einen optimalen Tag erwischen, ist was für uns drin“. Denise Herrmann. Steffi Böhler und Claudia Nystad seien schon in einer guten Form. „Da will und muss ich nachziehen.“

Hannes Dotzler
Der Sonthofer wirkt nachdenklich beim Redaktionsgespräch in Sonthofen. Im Sommer habe er wegen eines Pfeifferschen Drüsenfiebers mehrere Wochen pausieren müssen und zwischenzeitlich sogar um seine Karriere gebangt. „Der Körper ist einfach nicht mehr angesprungen“. Eine verschleppte Grippe nach Olympia in Sotschi macht der 24-jährige Bundespolizist dafür verantwortlich. Seit Oktober trainiert Dotzler zwar wieder, doch weltcup-tauglich fühlt er sich noch nicht. In Livigno/Italien versucht er nun den Anschluss zu finden, um dann bei der dritten Weltcup-Station in Davos wieder einzusteigen. „Es gibt noch viele Fragezeichen“, sagt Dotzler.

Sebastian Eisenlauer
Der Sonthofer war nach den Sommereinheiten „super optimistisch“, bezeichnet die
unmittelbare Saisonvorbereitung in Skandinavien aber eher durchwachsen. „Da habe ich noch Steigerungspotential“. In Kuusamo wird Eisenlauer im Sprint starten und möchte sich frühzeitig für die WM qualifizieren. „Die Top 15 sind das Ziel.“

Hanna Kolb
Die Junioren-Weltmeisterin von 2012 ist „gut durch den Herbst gekommen“ und würde beim Sprint von Kuusamo am liebsten bis ins Halbfinale kommen.

Lucia Anger/Alexander Wolz
Die Oberstdorferin war im Oktober beim Rollertraining gestürzt und zog sich eine Schädeldeckenprellung zu. Sie soll wie der junge Buchenberger erstmals in Davos zum deutschen Weltcup-Team stoßen. Wolz war beim Testwettkampf in Beitostoelen als Zehnter bester Deutscher.

Text und Bilder: Allgäuer Anzeigeblatt, 28.11.2014

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