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Fessel beschenkt sich selbst

Oberstdorferin erzielt mit Platz zwei in Davos bestes Weltcup-Resultat. Nur Top-Star Björgen ist schneller

Im Überschwang der Gefühle dachte Nicole Fessel sogleich daran, anderen die Arbeit zu erleichtern: „Chrischtkindle, du kannst bleiben, wo du bist, ich mache mir meine Geschenke selber“, schrieb die 31-Jährige augenzwinkernd auf ihrer Facebook-Seite. Kurz vor Weihnachten stieg der Stern der Skilangläuferin vom SC Oberstdorf in neue Höhen auf: Mit einem zweiten Platz über 10 Kilometer in Davos gelang ihr das bislang beste Weltcup-Resultat. Zudem legte sie sich das Ticket für die Weltmeisterschaft Ende Februar im schwedischen Falun untern Christbaum.
„Das war ein perfekter Tag“, frohlockte Fessel unter dem strahlend blauen Schweizer Himmel und fügte später hinzu: „Zweite, aber es fühlt sich an wie Erste.“ Nur Langlauf-Star Marit Björgen (34), die tags darauf auch noch den Sprint gewann, war in 24:57,7 Minuten um knapp 20 Sekunden schneller als Fessel. Die Allgäuerin schaffte es als erste Nicht-Norwegerin in dieser Saison aufs Podest. Dabei ließ sie Spitzenläuferinnen wie die drittplatzierte Heidi Weng und Therese Johaug (6.) hinter sich. „Die Bedingungen sind mir heute sehr entgegengekommen. Schwere Abfahrten, schnelle Bedingungen. Einfach traumhaft zu laufen“, sagte sie im Interview mit der ARD. Auch für die Arbeit der Techniker fand sie lobende Worte: „Da hat einfach alles gepasst, es waren super Ski.“
Fast schon ungläubig hatte Fessel nach ihrer Zielankunft beim letzten Distanzrennen der Saison als Führende in der „Leader-Box“ Platz genommen und verfolgt, wie sich eine Läuferin nach der anderen an ihrer Zeit die Zähne ausbiss. Dass nur Ski-Königin Björgen schneller war, jagte Fessel einen Schauer über den Rücken. „Ich versuche, jede Sekunde einzusaugen und zu genießen“, verriet sie den TV-Reportern. Gleichzeitig freute sie sich über das Mannschaftsergebnis: Claudia Nystad (5.) und Denise Hermann (15.) komplettierten das beste Abschneiden der DSV-Frauen seit Jahren. „Das ist gut fürs Selbstvertrauen“, meinte Bundestrainer Frank Ullrich. Offenbar übertrug sich dies auf die gesamte DSV-Auswahl: Gleich fünf deutsche Langläuferinnen qualifizierten sich am gestrigen Sonntag für den Freistil- Sprint – und erneut setzten sich zwei Allgäuerinnen gut ins Szene: Hanna Kolb (TSV Buchenberg) und Lucia Anger (SC Oberstdorf) kamen bis ins Viertelfinale. Fessel hatte nach ihrem Erfolg auf einen Sprint-Start verzichtet. Bei den Männern überstand lediglich Sebastian Eisenlauer (SC Sonthofen) die Qualifikation. Er belegte am Schluss Platz 29.

Auch die weiteren Oberstdorfer Weltcup-Athleten brachten zahlreiche Top-Platzierungen mit nach Hause.
Johannes Rydzek belegte bei den Rennen in der Ramsau mit dem Team Rang zwei und im Einzel nach einem engen Zielsprint Rang sechs.
Tobias Stechert erreichte bei der Abfahrt in Val Gardena/Gröden einen für ihn nicht zufrieden stellenden 25. Rang und im Super-G Rang 32.
Beim Weltcup der Skispringer in Engelberg war für den SCO lediglich Michael Neumayer am Start. Am ersten Tag noch mit etwas Pech knapp auf Rang 31 und damit nicht im Finale machte er es am zweiten Tag besser und belegte im Endklassement Rang 16.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt (22.12.2014), Skisport- und Veranstaltungs GmbH

Nicole Fessel belegte Rang zwei beim Weltcup in Davos
Nicole Fessel belegte Rang zwei beim Weltcup in Davos