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„Einfach mal durchschnaufen“

Kombi-Riese Rydzek genießt den Frühling. Auf die faule Haut legen darf sich der Student aber nicht.

Die Entspannung steht ihm ins Gesicht geschrieben: „Kombi-Riese“ Johannes Rydzek genießt den Sonnenschein. „Im Frühling habe ich endlich mal Zeit, um durchzuschnaufen. Das genieße ich heuer so richtig“, sagt der 23-jährige Doppel-Weltmeister vom SC Oberstdorf. Zu diesem „Genuss“ zählt er auch den Semesterbeginn an der Hochschule Kempten, an der Rydzek im sechsten Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert. „Es macht Spaß, sich mit anderen Dingen wie Projektmanagement zu beschäftigen, die Kommilitonen zu sehen, und auch mal Zeit für eine Party zu haben“, sagt Rydzek, der sich vorstellen kann, später einmal in der Automobilbranche oder in der Solar- und Umwelttechnik zu arbeiten. Unter den Studenten fällt das Sport-Ass in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen nicht weiter auf. Die Unaufgeregtheit, mit der ihm begegnet wird, schätzt Ryzdek nach seiner sensationellen Saison. „Da habe ich es schon leichter als ein Fußballer, der Weltmeister wird“, sagt er lächelnd. „Mir gratulieren hie und da zwar auch Leute, die ich nicht kenne, was mich sehr freut. Aber der große Hype ist zum Glück nicht entstanden“, sagt Rydzek, der sich im Februar mit vier Medaillen bei der Nordischen Ski-WM in Falun (Schweden) in die Geschichtsbücher eintrug.

Die Wochen danach seien „der Wahnsinn“ gewesen. Die Wertschätzung seiner Person und vor allem seines Sports sei gestiegen. „Das freut mich ungemein“, sagt Rydzek. Schließlich stehen die Kombinierer immer ein wenig im Schatten der Ski-Langläufer und vor allem der Skispringer. Dabei sind sie in Deutschland seit Jahren die fleißigsten Medaillensammler im nordischen Wintersport. Dank Schlussläufer Rydzek brach das DSV-Team in Falun sogar den Fluch – und holte nach 28 Jahren wieder die heiß ersehnte Goldmedaille. Mittlerweile, erzählt der Allgäuer, habe er langsam realisiert, was ihm da in Schweden glückte. „Aber ich steh deswegen nicht jeden Tag auf und denke: Toll, du bist Weltmeister“, erzählt er schmunzelnd.

Im Mai gibt’s neue Pläne

Seine lockere Art kommt auch in den sozialen Netzwerken an. Bei Facebook hat Rydzek mittlerweile über 12 000 Anhänger, die er alle paar Tage mit selbst geschriebenen und fotografierten Beiträgen unterhält. Beispielsweise über seine Skitouren im Allgäu. „Mir macht dieser Dialog einfach Spaß“, erzählt Rydzek, der im Gegensatz zu anderen Sportstars dafür keine PR-Agentur benötigt. Schon bald wird er wohl auch wieder von ersten Trainingseindrücken berichten. Im Mai endet das „Dolce Vita“ des Kombinierers wieder. „Dann gibt’s die Trainingspläne für die Vorbereitung auf den kommenden Winter“, erzählt Rydzek. Wenn die Pflicht ruft, wird er mit vollen Akkus wieder alles geben. Ein Titel fehlt ihm in seiner stolzen Sammlung nämlich noch: Olympiasieger.

Text: Tobias Schuhwerk/Allgäuer Anzeigeblatt 15.04.2015

Johannes Rydzek und Dr. Peter Kruijer
Johannes Rydzek und Dr. Peter Kruijer