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Disziplin, Fleiß, Kraft und Ausdauer

Hannah und Lea Heckmair über die Voraussetzungen, die eine gute Skilangläuferin mitbringen sollte – Die beiden Oberstdorferinnen unterstützen sich gegenseitig und freuen sich gemeinsam über ihre Erfolge

Schon ihr Uropa war berühmt. Als Erster durchstieg Anderl Heckmair die Eigernordwand. Opa Andreas Heckmair erfand die „Heckmair-Route“ mit dem Mountainbike von Oberstdorf nach Riva an den Gardasee. Auch Hannah (16) und Lea (13) sind erfolgreiche Sportlerinnen. Die beiden Schwestern zählen zu den Top-Skilangläuferinnen im Allgäu.

Wie ich zum Langlaufen gekommen bin

Hannah: „Meine Schwester und ich standen eigentlich schon immer auf Skiern. Unsere Eltern haben uns immer mit auf die Piste genommen. Durch meine Freunde bin ich aber zum Langlaufen gekommen.“ Lea: „Hannah hat mich für den Langlaufsport begeistert. Oft sind wir dann zusammen gegangen. Mit fünf Jahren bin ich dem Skiklub Oberstdorf, in dem meine ältere Schwester auch Mitglied war und ist, beigetreten.“

Was ich besser kann als meine Schwester

Hannah: „Bevor ich bei einem Rennen starte, überlege ich mir eine Taktik. Ich bin eher ein Kopfmensch und kalkuliere alles. Das fehlt Lea ein bisschen.“ Lea: „Ich bin die Riskantere, also der Bauchmensch von uns beiden. Einfach Augen zu und durch. Hannah sollte vielleicht auch ein bisschen spontaner sein und sich nicht so viele Gedanken um alles machen.“

In welchen Dingen ich mir von meiner Schwester eine Scheibe abschneiden kann

Hannah: „Schwer fällt es mir, einfach mal meinen Kopf abzuschalten. Ich mache mir über alles Gedanken. Lea fällt das viel leichter. Davon könnte ich mir eine Scheibe abschneiden.“ Lea: „Hannah ist viel ordentlicher als ich. Wenn ich auf einem Wettkampf bin, verliere ich immer meine Sachen. Meiner Schwester passiert das nicht.“

Wie wichtig es ist, dass meine Schwester auch Sport macht

Hannah: „Mir ist das sehr wichtig. Das Langlaufen verbindet uns und hält die Familie zusammen.“ Lea: „Durch den Sport verbringen wir viel mehr Zeit miteinander als andere Geschwister. Wir haben ein gemeinsames Interesse, das schweißt uns zusammen.“

Wie ich meine Schwester tröste, wenn es im Wettkampf nicht so gut gelaufen ist

Hannah: „ Lea war eine Zeit lang krank und konnte an keinen Wettkämpfen teilnehmen. In dieser Zeit waren wir füreinander da.“ Lea: „Wenn ein Wettkampf mal nicht so gut gelaufen ist, gehen wir zusammen ein Eis essen. Das heitert uns beide wieder auf.“

Warum ich mich freue, wenn meine Schwester erfolgreich ist

Hannah: „Ich bin dann einfach stolz auf meine kleine Schwester. Außerdem freue ich mich, wenn sie sich freut.“ Lea: „ Wir sind eine Familie, da gönnt man der anderen den Sieg. Früher sind wir bei Doppelsiegen auch immer mit der Familie zum Essen ins Restaurant gegangen.“

Wie ich mich auf einen Wettkampf motiviere

Hannah: „Ich möchte sportlich erfolgreich sein. Dazu gehört auch, dass ich mich für immer bessere Kader qualifiziere. Das ist meine Hauptmotivation.“ Lea: „Je mehr Punkte ich durch die Rennen sammle, an desto mehr Wettkämpfen kann ich teilnehmen. Das ist mein Ziel und meine Motivation.“

Was einen guten Langläufer auszeichnet

Hannah: „Selbstbewusst muss man sein. Disziplin, Fleiß, Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft sind wichtig. Eine gute Langläuferin zeichnet außerdem die Koordinationsfähigkeit aus.“ Lea: „Unser Sport ist sowohl anstrengend für den Geist- als auch für den Körper. Alles muss stimmen, damit man ein Rennen gewinnt. Dennoch darf der Spaß am Langlaufen nie fehlen.“

_ Was mir am Langlaufen besonders Spaß macht_

Hannah: „Beim Langlaufen kommt man viel rum. Außerdem bin ich eher eine Einzelkämpferin. Ich mag es, wenn ich mich nur auf mich konzentrieren kann.“ Lea: „Für mich ist dieser Sport sehr abwechslungsreich. Wir treiben Sport draußen in der Natur, das macht viel Spaß.“

Wann, wie oft und wo ich trainiere
Hannah und Lea: „Wir trainieren sieben Mal die Woche. Meistens in Oberstdorf. Im Sommer trainieren wir unsere Grundlagenausdauer mit dem Rennrad oder auf der Rollerbahn. Im Winter wird das Training intensiver und schneller.“

Welches Wetter mir bei einem Wettkampf am liebsten ist

Hannah: „Ich finde es am schönsten, wenn ich bei einem Wettkampf gutes Wetter habe. Blauer Himmel, Sonne und kalter Schnee, da lauf ich am besten.“ Lea: „Sowohl bei schönem Wetter, als auch bei Schneefall macht mir Langlaufen viel Spaß. Gern starte ich auch bei Wettkämpfen, wenn der Schnee sulzig ist. Dann bin ich richtig schnell.“

Was an meiner Sportart besonders schwierig ist

Hannah: „Für mich ist die Entscheidung, welchen Ski ich nehme am schwierigsten. Hartwachs, Klister,kalter oder warmer Ski. Das fällt mir immer schwer. Denn wenn man den falschen Ski erwischt hat, ist das Rennen für einen eigentlich schon gelaufen.“ Lea: „Für mich ist die Skifrage nicht so wichtig. Ich mach mir da eigentlich keinen Kopf. Ich empfinde die Tatsache, dass bei einem Wettkampf alles stimmen muss, damit man gewinnt, viel schwieriger.“

Woran ich noch arbeiten muss

Hannah: „Ich muss noch gewissenhafter werden. Das heißt zum Beispiel, dass ich nachdenklicher meinen Ski auswähle. Zudem muss ich beim klassischen Langlaufen an meinem Abdruck arbeiten. Der klappt noch nicht so gut.“ Lea: „Technisch fehlt bei mir noch, dass ich den Fuß richtig vorschiebe beim klassischen Langlaufen. Einfacher gesagt, die Wade beim Laufen richtig nach vorne bringen.“

Welche Ziele ich in dieser Saison habe

Hannah: „Ich will unbedingt den Sprung in den C-Kader des Deutschen Ski-Verbandes schaffen. Zurzeit bin ich im D/C-Kader, und ab dieser Saison ist es auch für meinen Jahrgang möglich, sich für den nächsthöheren Kader zu qualifizieren. Außerdem möchte ich in der Gesamtwertung des Deutschen Schülercups unter die Top drei. Lea: „Mein Ziel ist es sich für die Spiele der OPA, Organisation der Alpen-Länder-Skiverbände, zu qualifizieren. Diese richten jede Saison diese wichtige internationale Wettkampfserie aus. Im Deutschlandpokal möchte ich unter die besten Fünf kommen.“

Text: Allgäuer Anzeigeblatt

Lea und Hannah Heckmair
Lea und Hannah Heckmair