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Die vierte und vorerst vielleicht letzte WM-Bewerbung von Oberstdorf

DSV wirft erneut den Hut für die Marktgemeinde in den Ring Sollte es mit den nordischen Titelkämpfen 2019 wieder nichts werden, liebäugeln manche im Verband eher mit einer Kandidatur für eine Alpin-WM in Garmisch-Partenkirchen

Kapstadt, Antalya, Kangwonland. An diese ansonsten durchaus klangvollen Städtenamen haben die Oberstdorfer keine guten Erinnerungen. In den letzten fünf Jahren kassierten sie nämlich in Südafrika (2008), in der Türkei (2010) und im entlegenen Nordosten der Republik Korea (2012) drei empfindliche Niederlagen im Bemühen darum, nach 1987 und 2005 zum dritten Mal eine Nordische Ski-WM ins Allgäu zu holen.

Nun gibt es einen vierten – und vielleicht vorerst sogar letzten – Anlauf. Beim Kongress des Internationalen Skiverbandes im Juni 2014 in Barcelona. Das gab DSV-Präsident Alfons Hörmann am Rande der Nordischen Ski-WM im italienischen Val di Fiemme bekannt. „Ja, wir werfen den Hut noch einmal in den Ring“, bestätigte Hörmann gegenüber unserer Zeitung.

Der 52-jährige Sulzberger berichtete aber auch davon, dass es im Vorfeld kontroverse Diskussionen in der DSV-Führung gegeben habe. Zum einen wollte man zunächst in Oberstdorf und beim Internationalen Skiverband ein Stimmungsbild bezüglich einer erneuten Kandidatur Oberstdorfs einholen, zum anderen habe auch Garmisch-Partenkirchen den Wunsch an den Verband herangetragen, sich zeitnah für eine weitere Alpin-WM zu bewerben.

Und Hörmann macht keinen Hehl daraus, „dass eine Alpin-WM wirtschaftlich ganz andere Perspektiven bietet als nordische Titelkämpfe“. Garmisch 2011 habe dem Verband einen warmen Geldregen beschert. „Bei einer nordischen WM“, weiß Hörmann, „muss man – wie schon 2005 in Oberstdorf – darum kämpfen, überhaupt eine schwarze Null hinzubekommen.“

In den letzten Wochen habe er bei den Weltmeisterschaften in Schladming und Val di Fiemme mit zahlreichen FIS-Präsidiumsmitgliedern sprechen können. „Da wurde schnell klar, dass wir und die Oberstdorfer den Kopf nicht hängen lassen und uns erneut bewerben sollen.“ Ein Strategie-Wechsel Richtung Alpin würde beim Internationalen Skiverband eher so gewertet, als sei man „eingeschnappt bzw. ein schlechter Verlierer.“

Und da auch der Skiclub-Vorsitzende Dr. Peter Kruijer und (per Vorabstimmung) der Marktgemeinderat in Oberstdorf dem DSV deutliche Signale pro Bewerbung gesendet hätten, sei auch der Beschluss im Deutschen Skiverband letztlich eindeutig ausgefallen. „Ja, wir versuchen es noch einmal“, verkündete Hörmann in Val di Fiemme und begann, die Werbetrommel zu rühren. Wer gegen Oberstdorf antritt, ist derzeit noch offen. Sicher ist nur die Bewerbung von Planica/Slowenien. Aber auch Zakopane/Polen und Seefeld/Österreich könnten beim Kongress in Barcelona um die Stimmen der 17-FIS-Council-Mitglieder buhlen. „Wir alle sehen die Chancen als gut an“, gab sich Hörmann optimistisch.

Bei einem erneuten Scheitern wäre aus Sicht des DSV-Chefs aber ein Strategiewechsel notwendig. „Dann muss man auch mal sagen, dass es keinen Sinn mehr macht. Zumal die Garmischer wieder auf der Matte stehen werden.“ Entschieden werde das aber erst nach dem Kongress 2014.

Einziger Kandidat für die Skiflug-WM 2018

Die Tatsache, dass sich Oberstdorf in einem Jahr in Barcelona auch turnusgemäß und ohne Gegenkandidat für die Skiflug-WM 2018 bewirbt, mindert die Erfolgsaussichten auf einen WM-Zuschlag 2019 laut Hörmann nicht: „Bei der FIS haben mir alle versichert, dass man beide Bewerbungen sehr wohl auseinanderhalten könne.“ Derselben Meinung ist Dr. Peter Kruijer: „Auch Renndirektor Walter Hofer hat uns bestärkt, es noch einmal zu versuchen.“ Kruijer freut sich, dass der DSV den Oberstdorfern erneut das Vertrauen schenkt. „Die Grundstimmung im Ort ist äußerst positiv“, weiß der 55-Jährige. Und der Gemeinderat, hofft er, werde das in einem formellen Beschluss im März auch noch bestätigen.

Nordische Ski-Weltmeisterschaften 2005
Nordische Ski-Weltmeisterschaften 2005