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„Den Traum von Olympia erfüllen“

Karle Geiger aus Oberstdorf über die neue Saison mit dem Höhepunkt Sotschi

Nach seiner ersten erfolgreichen Weltcup-Saison 2012/13 und einem intensiven Sommertraining startete der Oberstdorfer Skispringer Karl Geiger im sächsischen Klingenthal in die olympische Saison. Der Oberstdorfer will nicht nur dort eine gute Figur machen, sondern über die gesamte Saison die Ergebnisse des vergangenen Jahres noch toppen. Der 20-jährige Student hatte seine erste Weltcupsaison mit einem Platz in der Top 40 abgeschlossen und mit Rang sechs beim vorolympischen Springen in Sotschi gekrönt. Überdie vergangene und die kommende Saison sprachen wir mit dem Talent, der von allen „Karle“ genannt wird und ein neues Kapitel in der langen und erfolgreichen Geschichte der Oberstdorfer Skispringer aufschlagen könnte.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die bevorstehende Weltcupsaison und speziell in das erste Springen in Klingenthal?

Geiger: Nach dem letzten Springen in vergangenen Winter hat für mich und das gesamte Team schon die Vorbereitung auf die Saison 2013/14 begonnen. Ich habe mein Studium an der Hochschule in Kempten im vierten Semester fortgesetzt und mich sehr konzentriert auf den Winter vorbereitet. Wir Skispringer haben eigentlich keine echte Trainingspause. Seit Frühjahr 2013 habe ich mit Christian Winkler einen neuen
Stützpunkttrainer hier in Oberstdorf. Die Zusammenarbeit mit ihm klappt sehr gut. Neben Verbesserung von Kondition und Kraft stand die Arbeit auf der Schanze im Mittelpunkt. Dazu gehören Verbesserung von Anfahrposition, Absprung oder Haltung in der Luft. Ich habe sehr viele Sprünge auf Matten absolviert. Für den Winter und auch im Hinblick auf den ersten Weltcup in Klingenthal bin ich gerüstet.

Wie würden Sie rückblickend die letzte Saison einordnen?

Geiger: Das war meine erste Saison im Weltcup, und ich bin damit sehr zufrieden. Es war ein langer Winter mit unzähligen Wettkämpfen, teilweise war es für mich ein wenig mühsam und turbulent. Natürlich hatte ich auch einige Rückschläge wie die völlig verpatzte Qualifikation beim Start der Vierschanzentournee in Oberstdorf zu verkraften und bin dann etwas in Trudeln gekommen. Mich hat das jedoch nicht aus der Bahn geworfen, und im Laufe der Saison habe ich mich wieder nach vorne gekämpft und zu meiner alten Stärke gefunden. Den QualiSprung in Oberstdorf hatte ich schnell abgehakt und insgesamt sehe ich den 41. Platz in der Weltcup-Gesamtwertung durchaus als Erfolg.

Wie sah das Sommertraining speziell im Hinblick auf Olympia aus?

Geiger: Für Christian Winkler und mich war es eigentlich eine ganz normale Vorbereitung, obwohl wir an der einen oder anderen Stelle doch etwas mehr gearbeitet haben. Im Sommer und Herbst waren wir in Klingenthal, Garmisch, Bischofshofen, Predazzo und natürlich hier in Oberstdorf. Es ist schon ein sehr großer Vorteil, in der Nähe einer der besten und schönsten Schanzen der Welt zu wohnen und hier regelmäßig trainieren zu können. Zudem hatte die Erdinger Arena bereits im Oktober eine Eis-Anlaufspur, und so war dort Training fast unter Winterbedingungen möglich. Ich bin mir sicher, dass ich durch dieses intensive Training viel konstanter geworden bin.

Wie sehen Ihre konkreten Ziele für 2013/14 aus?

Geiger: Für den Weltcup habe ich mir keine konkreten Ziele gesteckt, ich will jedoch so gut wie möglich dabei sein. Mein größtes Ziel ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Februar in Sotschi. Dazu muss ich mich zwei Mal unter den Top 15 oder ein Mal unter den besten acht platzieren. Ich bin guter Dinge, dass ich das schaffen kann. Insgesamt können sich fünf Springer qualifizieren. Das heißt, selbst wenn ich die Ergebnisse bringe, bin ich noch lange nicht dabei. Ich denke, dass in unserem sehr starken deutschen Team mehr als fünf Springer die Quali schaffen, und dann wird Bundestrainer Werner Schuster entscheiden müssen, wen er mitnimmt. Vier Springer dürfen starten, der fünfte ist Ersatzmann. Für mich würde mit der Qualifikation ein Traum wahr werden und ich werde dafür kämpfen, ihn wahr zu machen.

Dem Traum ein Stück näher gekommen ist Karl Geiger bereits beim Weltcup-Start in Klingenthal. Die deutschen Skispringer sind mit einem Podestplatz in den Olympia-Winter gestartet. Beim nach einem Durchgang abgebrochenen Weltcup in Klingenthal landeten Severin Freund, Andreas Wellinger, Andreas Wank und Karl Geiger im Teamspringen auf Rang zwei. Mit 528,3 Punkten musste sich das DSV-Quartett im ersten Wettkampf der Saison nur Slowenien (540,6)
geschlagen geben.Der 20 Jahre alte Team-Debütant Karl Geiger (Oberstdorf/135,5 m) verteidigte auf Position zwei startend, die Führung souverän, ehe der sogar nur 18 Jahre alte Wellinger (Ruhpolding/133,5) die Slowenen passieren lassen musste.

Beim Einzelbewerb musste sich Karl Geiger (Oberstdorf/108,2) mit dem 25.Platz begnügen und haderte mit den Windverhältnissen bei seinem Sprung. "Das war eher kein fairer Wettkampf. Ich verstehe aber die Veranstalter, ich habe mich auch sehr auf das Springen gefreut", sagte Geiger.

Interview: Mike Bayer/Allgäuer Anzeigeblatt

Katharina Althaus und Karle Geiger
Katharina Althaus und Karle Geiger