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Bergsteigen, Biken und Bankdrücken

Christina Geiger vom SC Oberstdorf bereitet sich intensiv auf den Winter vor

"Am schönsten ist es doch zu Hause", meinte Christina Geiger, als sie beim Sommer Grand Prix der Kombinierer gespannt den Siegeinlauf ihres Clubkameraden Johannes Rydzek vom SC Oberstdorf erlebte. Die 22-jährige Slalomspezialistin ist derzeit wieder einmal in ihrem Heimatort, genießt die allzu knapp bemessene Zeit mit Eltern und Freunden zwischen Physiotherapie und Training.

Nicht Urlaub, sondern Biken, Bergsteigen und Bankdrücken in der Kraftalp, um Koordination, Kraft und Ausdauer zu schulen, umfasst im Moment das Pensum, das die Skirennläuferin bewältigen muss. Eine harte Schule, die manchmal Überwindung koste, die sich aber auszahle, sagt die Oberstdorferin. "Man sagt nicht umsonst, dass Wintersportler im Sommer gemacht werden", kommentiert sie ihren vollen Trainingsplan.

Lehrgang bei der Bundeswehr

Die Zeit, in der die Ski nach der Saison verräumt werden, ist ohnehin recht kurz. Für die Sportsoldatin war die Rennsaison nach den deutschen Meisterschaften Ende März vorbei. Nur ein paar Tage Entspannung blieben ihr, dann hieß es wieder Koffer packen für einen Sportlehrgang bei der Bundeswehr in Warendorf. Vier Wochen Trainerausbildung - das ist sehr sinnvoll, weil man darauf eine berufliche ZUkunft im Sport aufbauen kann, wenn es mit dem Skifahren mal nicht mehr klappt", sagt Christina Geiger. Anschließend ging es Schlag auf Schlag. Zuerst führte die Reise zurück zum Stützpunkt Oberstdorf und zu Trainer Stephan Schmid. Es folgten im Juni Konditions-Kurse in Haus im Ennstal und in Kitzbühel. Nach anstrengenden achtstündigen Bergtouren, Klettersteig und dem Gipfelsturm des Kitzbühler Horns per Mountainbike haben die Frauen des Deutschen Skiteams die bequemen Betten im Hotel "Stanglwirt" sichtlich genossen. Für Christina Geiger war es zudem eine wichtige Erfahrung, mit allen anderen Skimädels gemeinsam zu trainieren. "Statt immer nur Gina und Tina wie daheim, hatten wir zu acht nicht nur einen gesunden Konkurrenzkampf, sondern richtig viel Spaß," erzählt die Technik-Expertin, die zu Hause in Oberstdorf mit der SCO-Kollegin und Speed-Fahrerin Gina Stechert trainiert.

Ende Juli wieder im Schnee

Ende Juli, als die Freunde im Oberstdorfer Freibergsee Abkühlung suchten, zog es Tina Geiger schon wieder in den Schnee nach Zermatt zum Gletschertraining. "So lang wie in diesem Jahr hat die Pause noch nie gedauert", lässt sie wissen. Nach vier Monaten seien alle im Team wieder heiß auf den Tanz zwischen den Slalomstangen. Während die Schweiz noch fast "um die Ecke" liegt, ging es im August ganz weit weg bis ans andere Ende der Welt. In Neuseeland bereiten sich die Skimädels drei intensive Wochen auf die neue Wintersaison vor. " Das war keine Vergnügungsreise, sondern harte Arbeit", berichtet Christina Geiger." Es war die absolut richtige Entscheidung, denn bei uns in den Alpen schmolzen bei 40 Grad die Schneevorräte überall dahin."

Wenn die anderen Rennläuferinnen nun weiterziehen an die schneesicheren Trainingsorte, bleibt Tina Geiger vorerst daheim, um die gereizte Patellasehne nicht überzustrapazieren, denn für die kommende Saison, in der die Weltmeisterschaften in Schladming stattfinden, hat sich die Sportsoldatin viel vorgenommen. Im Slalom will sie wieder in die erste Startgruppe und über gute Ergebnisse in FIS-Rennen und Europacup auch im Riesenslalom so gut werden, dass sie im Weltcupstarten darf. Bis zum Saisonstart im November in Levi (Finnland) heißt es darum noch oft: Biken, Bergsteigen und Bankdrücken.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt/Elke Wiartalla

Slalom - Christina Geiger
Slalom - Christina Geiger