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Bereit für das i-Tüpfelchen

Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer traut seinen Schützlingen bei den Winterspielen in Sotschi Großes zu. Oberstdorferin Gianina Ernst ist jüngste Starterin

Unruhig reibt Katharina Althaus ihre schwarz-rot-gold lackierten Fingernägel. Sie sei „ein
wenig aufgeregt. Aber die Vorfreude überwiegt.“ Grund dazu hat die 17-jährige Skispringerin allemal.
Am Mittwoch bricht die Oberstdorferin mit ihren Kolleginnen von der Nationalmannschaft zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi auf. Beim gestrigen Abschlusstraining an der Schattenbergschanze versammelte Bundestrainer Andreas Bauer seine Schützlinge ein letztes Mal, bevor der Tross sich auf den Weg nach Russland
macht.

Mit Althaus tritt ihre 15-jährige Teamkollegin vom SC Oberstdorf, Gianina Ernst, die Reise ans Schwarze Meer an. Carina Vogt (SC Degenfeld) und Ulrike Grässler (VSC Klingenthal) komplettieren das DSV-Quartett – erstmals in der Geschichte der Winterspiele wird es am 11. Februar ein Frauenskispringen um Medaillen geben. Bauers Jungbrunnen ist im Schnitt 19 Jahre alt. Dass sein Team „ein wenig zappelig“ ist, ist für Bauer nicht außergewöhnlich: „Wir sind sehr jung, noch dazu ist das für uns alle Neuland“, sagt der 50-Jährige. „Das Kribbeln im Bauch ist da, auch bei mir.“ Tatsächlich leitet Bauer, für den es als Aktiver und Trainer die fünften Spiele sind, ein sehr junge Team. Etwas über 19 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt seiner Adlerinnen. Im Gegensatz dazu bringt es das Männer-Quintett von Werner Schuster im Schnitt auf 22,4 Jahre. Bauers Küken ist Gianina Ernst. Quasi aus dem Nichts katapultierte sich die 15-Jährige in die Weltspitze. Weltcup-Debüt mit Rang zwei, Olympia-Quali, Junioren-WM und nun die Olympischen Winterspiele. Binnen acht Wochen wurde die Welt der Gymnasiastin auf den Kopf gestellt. „Es geht alles sehr schnell, aber ich finde es mega cool, was um mich herum alles passiert“, sagt die Tochter des Ex-Skispringers Joachim Ernst.

Silvester ist im wahrsten Sinne der Ehrentag des Nachwuchsadlers: Am 31. Dezember feierte Ernst ihren 15. Geburtstag – einen Tag später, und sie wäre für Sotschi gar nicht erst startberechtigt. Dort ist Ernst somit die jüngste Starterin aller Athleten. Bauer ist indes nicht bange, das Talent könnte verheizt werden: „Man muss ihr bedingt Freiheiten lassen“, gibt er vor: „Sollten sich die Anfragen türmen, müssen wir sie natürlich auch schützen. Aber ich bin überzeugt, dass wir da eine gute Balance finden.“

Damit es in Russland auch sportlich rund läuft, hat Bauer seinen Schützlingen eineinhalb Tage freigegeben. Mittwoch geht es nach Frankfurt, ehe am Donnerstagmorgen der Flieger in Richtung Sotschi abhebt. Doch noch stapelt das Duo Althaus/Ernst, das bei der Junioren-WM in Val di Fiemme mit Rang fünf und neun unter den eigenen Erwartungen geblieben ist, tief. „Cool wäre ein Platz unter den besten Zehn“ „Ich möchte neue Erfahrungen sammeln und in die große Kulisse reinschnuppern“, nimmt sich Althaus vor. WM-Maskottchen Max und ein Plüsch-Glücksschwein dienen ihr in Russland als Talisman. „Ein Ergebnis kann man nicht planen. Ich muss gute Sprünge zeigen und dann muss auch alles andere passen.“ Ihre Zimmerkollegin in spe lehnt sich bei der Prognose etwas weiter aus dem Fenster. „Ich glaube schon, dass etwas möglich ist“, sagt Ernst: „Cool wäre ein Platz unter den besten Zehn, aber hey:
Das ist Olympia und da sind die besten Sportlerinnen der Welt dabei.“

Für Bauer gilt es derweil, die Erwartungen nach dem bisher starken Saisonverlauf nicht allzu hoch zu treiben. „Wir hatten eine grandiose Vorbereitung. Aber jetzt müssen die Mädels loslassen. Was uns in Sotschi erwartet, ist eine ganz andere Nummer.“ Der Japanerin Sara Takanashi traut er Gold zu, danach sei „alles möglich. Sollte am Ende eine Medaille für uns herausspringen, wäre es das berühmte i-Tüpfelchen. Wir sind
bereit dafür.“

Text/Bild: Allgäuer Zeitung

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