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Beim Heimspiel in Topform

Die Oberstdorferin Nicole Fessel überzeugt zum Auftakt der Tour de Ski – ganz anders die deutschen Männer

Nachdem sie genug Stimmung aufgesogen hatte, sorgte sie selbst für welche. Nicole Fessel mischte sich nach einem umjubelten Auftritt freudestrahlend unter die Zuschauer und feuerte die deutschen Männer an. Doch diesen blieb auch im zweiten Rennen der Tour de Ski in Oberstdorf ein Spitzenresultat verwehrt, wie es Fessel gleich zwei Mal vorgelegt hatte. Die 31-Jährige vom SC Oberstdorf war bei den Heimrennen im Allgäu erfolgreichste deutsche Ski-Langläuferin. Sowohl im Prolog am Samstag über 3,3 Kilometer in freier Technik als auch in der Verfolgung über 10 Kilometer klassisch belegte
sie Platz fünf – und startet als unangefochtene Frontfrau im deutschen Team in die verbleibenden fünf Etappen.

„Ich bin glücklich, meinen fünften Platz verteidigt zu haben“, sagte sie nach ihrem Auftritt vor 5.000 Zuschauern am gefürchteten Burgstall-Anstieg. Die Läuferinnen gingen gemäß der Zeitabstände vom Vortag ins Rennen und machten Jagd auf die spätere Siegerin Marit Björgen (Norwegen). „Das Anfangstempo war sehr hoch. Das hat mich richtig schockiert. Aber ich bin ruhig geblieben“, sagte Fessel. In welchen Regionen sie eineinhalb Monate vor der Nordischen Ski-WM in Falun (Schweden) unterwegs ist, zeigte die letzte von vier Runden: Fessel hielt sogar die zweimalige Toursiegerin Justyna Kowalczyk (31, Polen) auf Distanz. Einzig die starken Skandinavierinnen waren eine Nummer zu groß. Allen voran Björgen, die mit 56 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrauen Heidi Weng und Therese Johaug gewann. Vierte wurde mit Stina Nilsson eine Schwedin. Für Björgen geht es im Herbst ihrer Karriere noch einmal um alles: Die sechsfache Olympiasiegerin hat die Tour de Ski noch nie gewonnen: „Das ist für mich große Motivation“, sagte sie.

Für Fessel scheint indes ein Top-Ten-Resultat im Gesamtklassement möglich. „Ich war schon oft den Sommer über krank. Aber jetzt stimmt endlich einmal im Winter die Form“, sagte Fessel. Dagegen ist für ihre Teamkollegin Claudia Nystad die Tour beendet: Die 36-Jährige stürzte beim Anstieg ohne Fremdeinwirkung und wurde mit Schürfwunden und Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus nach Immenstadt gefahren. Dabei hatte sie tags zuvor noch vom Heimrennen geschwärmt: „Das ist von der Stimmung fast wie bei der WM vor zehn Jahren“, sagte die älteste DSV-Läuferin. Beim Zieleinlauf der Männer erreichte die Stimmung ihren Siedepunkt: Erst auf den letzten Metern entschied der Norweger Petter Northug mit seinem gefürchteten Doppelstock-Turbo das Rennen und übernahm die Führung im Gesamtklassement. Zweiter wurde der Kanadier Alex Harvey vor dem Schweden Calle Halfvarsson. 15 Kilometer lang hatte sich die Spitzengruppe um Prolog-Sieger Dario Cologna (Schweiz) beharkt, ohne dass sich ein Läufer entscheidend absetzen konnte.

Die deutschen Männer liefen an beiden Tagen hinterher. Das beste Resultat erzielte Lucas Bögl, der zum Auftakt 17. wurde. Gestern gelang Lokalmatador Hannes Dotzler auf Platz 22 ein Achtungserfolg. Der 24-Jährige vom SC Sonthofen machte dabei 40 Plätze gut. „Das war besser als zum Auftakt. Aber zufrieden sein können wir noch lange nicht“, sagte Dotzler.

Text: Tobias Schuhwerk, Allgäuer Anzeigeblatt, 05. Januar 2015

Nicole Fessel belegte Rang zwei beim Weltcup in Davos
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