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Aufholjagd mit Bronze belohnt

Johannes Rydzek sprintet nach einer furiosen Aufholjagd erneut aufs Podium und bekommt ein Lob vom Bundestrainer.

Auf den Husarenritt folgte ein Turbosprint. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille stürmte der Allgäuer „Kombi-Riese“ Johannes Rydzek in Richtung Zuschauertribüne, um seine Eltern Michael und Marlene zu umarmen. „Da kommt man sonst nicht mehr dazu“, weiß der 23-jährige WM-Dominator vom SC Oberstdorf, der gestern im dritten Kombinations-Wettbewerb die dritte Medaille bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Falun erkämpfte. Nach jeweils einer Goldmedaille von der Normalschanze und im Team-Wettbewerb sicherte sich der Mann der Stunde ganz knapp die Bronzemedaille im Wettbewerb von der Großschanze. „Was hier abgeht, ist wie im Märchen. Ich genieße es einfach nur und denke dabei an alle Menschen, die mich unterstützen“, sagte der Aufsteiger im deutschen Team, der eine furiose Aufholjagd mit Edelmetall krönte. Im packenden Finish war er zwei Zehntel schneller als der Norweger Magnus Moan. Den Sieg holte überraschend Bernhard Gruber, der zugleich die erste Goldmedaille für Österreich bei der WM unter Dach und Fach brachte. Zweiter wurde der Franzose François Braud mit 11,9 Sekunden Rückstand. Tino Edelmann wurde Neunter und war damit sogar noch einen Platz besser als Eric Frenzel, der im zweiten und letzten Einzelwettbewerb erneut ohne Medaille blieb.

Statt des „Übermenschen“, wie der Weltcup-Führende Frenzel in manchen Medien genannt worden war, sorgte erneut „Superman“ Rydzek für Furore. Erneut trug der Allgäuer sein buntes Glücksshirt mit dem Comic-Helden seiner Jugend unterm Sprunganzug. „Mittlerweile ist es gewaschen. Aber es funktioniert noch immer“, verriet er nach einem soliden Sprung auf 124,5 Meter am Vormittag. Damit startete Rydzek als 17. mit 51 Sekunden Rückstand auf den Führenden Gruber in den abschließenden Ski-Langlauf über zehn Kilometer. „Das ist nicht perfekt, aber auch nicht ganz schlecht“, sprach er sich Mut zu, ehe er Taten folgen ließ: Mit einem Blitzstart brachte er sich in Schlagdistanz zu dem vier Sekunden vor ihm liegenden Norweger Magnus Moan, der als starker Langläufer gilt. „Da wollte ich so schnell wie möglich hin“, sagte er über seine Taktik. Doch bis die Entscheidung in diesem Krimi im Lugnet-Stadion fiel, sollten knapp vier packende Runden vergehen. Dann erst musste der Franzose Jason Lamy Chappuis, der bis dahin zum Führungstrio mit Gruber und Braud gehörte, abreißen lassen. Rydzek und der Verfolgerpulk witterten die Beute und kämpften um das letzte verbleibende Edelmetall in diesem Rennen. „Ritschi hat die Nerven behalten und an der richtigen Stelle attackiert. Das war erste Sahne von ihm“, lobte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Teamkollege Edelmann verwunderte der erneute Sturmlauf des Doppel-Weltmeisters nicht. Die beiden Goldmedaillen hätten den Allgäuer beflügelt. „Das hat ihn locker gemacht – und wenn er die Lockerheit hat, dann ist er ganz schwer zu schlagen“, sagte der 29-Jährige über den neuen Leitwolf unter den DSV-Kombinierern.

Fraglich blieb nur, mit wem Rydzek im abschließenden Teamsprint nach der nächsten Medaille greift. Bundestrainer Weinbuch überlegt, ob er Edelmann statt Frenzel aufbietet. Supermann Rydzek ficht dies nicht an: „Einen Wunschpartner habe ich nicht. Egal wer da startet: Die Chanchen sind super“, meinte Rydzek, der sich bereits auf die Heimreise freut: „Oberstdorf steht sicher kopf.“

Text: Tobias Schuhwerk/Allgäuer Anzeigeblatt

Johannes Rydzek in Gelb
Johannes Rydzek in Gelb