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Auf zu neuen Höhen

Katrin Zeller blickt nach einem zehnten Platz bei der Tour de Ski zuversichtlich Richtung Weltmeisterschaft im Februar in Val di Fiemme

Die Saisonvorbereitung führte Katrin Zeller an einen für Skilangläufer eher ungewöhnlichen Ort. Wegen Rückenproblemen spulte sie einen Teil ihres Trainings im Wasser ab – und zwar beim Aquajogging im Wellenbad in Oberstdorf. „Das ist anstrengender als es aussieht“, erzählt die 33-Jährige vom SC Oberstdorf schmunzelnd. In jedem Fall hat die Staffel-Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Vancouver in ihrer siebten durchgehenden Weltcupsaison nichts an Kondition eingebüßt.
Bei der Tour de Ski der Weltelite mit sieben Etappen war sie nach einem sechsten Platz im Vorjahr erneut beste Deutsche: Sie beendete die Tortur vergangenen Sonntag mit einem zehnten Platz – und bewies nach einem durchwachsenen Auftakt ihre Kämpferqualitäten. Unvergesslich wird für sie die vierte Station bleiben, das Verfolgungsrennen über 15 Kilometer im freien Stil. Katrin Zeller konnte es im Ziel kaum glauben, was sie dort auf der Anzeigetafel sah: Sie hatte die Etappe als Tagesbeste beendet. Genauer: Sie war in Toblach/Italien über eine Minute schneller als die Konkurrenz – sogar als Tour-Dominatorin Justyna Kowalczyk, 29, aus Polen! „Dieser Tag war das absolute Highlight auf der Tour. Das gibt Selbstvertrauen. Man weiß, dass man vorne mitlaufen kann“, sagt die Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei.
Auch Bundestrainer Frank Ullrich war angetan von der Leistung („Katrin muss ich ein Kompliment aussprechen“). Nach den kräftezehrenden Tagen erholt sich die Oberstdorferin noch bis kommenden Donnerstag in ihrer Heimat. Nur eine lockere Loipen-Einheit pro Tag steht auf dem Programm. Ansonsten versucht sie, so gut es geht abzuschalten. Die nächsten Wochen fordern geballte Kraft von Katrin Zeller. Sie wird die Weltcups ins Las Clusaz (Frankreich, 19./20. Januar) sowie in Sotschi (Russland, 2./3. Februar) und Davos (Schweiz, 16./17. Februar) bestreiten, ehe der Saisonhöhepunkt ansteht: die nordische Ski-Weltmeisterschaft im italienischen Val di Fiemme (20. Februar bis 3.März). Welche Distanzen sie dort läuft, entscheiden die Trainer etwa zwei Wochen vor WM-Beginn. Neben einem Einsatz über 10 Kilometer Skating („ein einstelliges Ergebnis wäre genial“) hofft Katrin Zeller auf Staffel und Teamsprint („Da haben wir Medaillenchancen“). Begeistert ist die Teamseniorin, die im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Sotschi antreten will, vom Klima unter den deutschen Top-Läuferinnen. „Jede zieht die andere mit“, lobt sie und geht selbst mit gutem Beispiel voran. Über die Erfolge von Denise Herrmann (24, Oberwiesenthal), die auf Platz neun derzeit beste deutsche im Gesamt-Weltcup ist, freut sie sich wie eine Freundin. „Ich gönne ihr das sehr. Denise bringt alles mit, was eine Langläuferin ausmacht. Man wird noch viel von ihr hören.“
Hanna Kolb und Nicole Fessel starten in Liberec. Angetan ist sie auch von der Leistung von Hanna Kolb vom TSV Buchenberg. Die 21-Jährige erzielte bei der Tour de Ski mit Platz vier im Sprint ihr bislang bestes Weltcup-Ergebnis. Nach diesem Erfolg nahmen sie die Trainer aus dem Rennen, um sie für die nächsten Sprint-Weltcups und die Junioren-WM zu schonen. Am Wochenende vertritt Kolb zusammen mit der wieder genesenen Nicole Fessel (29, SC Oberstdorf) das Allgäu beim Sprint-Weltcup in Liberec/Tschechien.
Katrin Zeller kann die Einsätze ihrer Teamkolleginnen ausnahmsweise einmal ganz bequem verfolgen: Zuhause am Fernseher. Belohnung nach einer harten Tour.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt