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Auf dem Sprung

Für die Geschwister Gina und Tobias Stechert steht in USA und Kanada das erste Weltcup-Wochenende an. Die Knie-Verletzungen aus dem letzten Jahr sind überwunden.

Wenn Maria Höfl-Riesch und die anderen deutschen Skistars die Abfahrtspiste in Beaver Creek hinunter rasen, wird Gina Stechert im Zielbereich stehen und Daumen drücken. Knieprobleme zwingen sie zum Zuschauen. Nach dem Trainingslager in Chile machte einmal mehr die gereizte Patellasehne Probleme. Die Ärzte rieten der 26-Jährigen aus Fischen zu einer zweimonatigen Pause. „Nach Chile bin ich nicht mehr auf Skiern gestanden“, sagt Stechert. Stattdessen schuftete sie im Kraftraum und arbeitete an der Kondition.
Wohl auch deshalb durfte sie mit der deutschen Mannschaft in die USA fliegen. Während ihre Kolleginnen dort um Weltcuppunkte kämpfen, begann Stechert wieder mit dem Training auf Schnee. „Ich habe inzwischen schon wieder drei Super-G-Tage absolviert. Allerdings muss ich immer Pausen einlegen und aufpassen, das Knie nicht
zu überreizen“, sagt Stechert. Insgesamt drei Kreuzbandrisse (zwei im rechten, einer im linken Knie) sowie einige andere Verletzungen und Operationen haben ihre Spuren hinterlassen. Ans Aufgeben verschwendet Stechert aber keinen Gedanken. Ganz im Gegenteil: Sie will möglichst bald wieder im Weltcup angreifen. Ein Start in
der heutigen Abfahrt wäre aber noch zu früh gekommen. „Ich bin trotzdem total froh, dass ich hier dabei sein kann.“ Die Bedingungen in Beaver Creek seien perfekt, die Pisten optimal präpariert. „Hier kann ich super trainieren.“ Stechert hofft, schon nächstes Wochenende wieder an den Start gehen zu können. Dann gastiert der Weltcup-Tross im kanadischen Lake Louise. „Die Abfahrt dort liegt mir total gut“, sagt die Allgäuerin. „Ich bin optimistisch, dass das klappt.“ Und auch an ihrem Saisonziel hat sich nichts geändert. „Wenn in einer Saison Olympische Spiele sind, dann will man daran auch teilnehmen.“ Die Qualifikationsnorm ist aber hart. Stechert muss einmal unter die ersten Acht, oder zweimal unter die ersten 15 eines Weltcuprennens fahren.
Schafft die 26-Jährige das, dürfte sie in Sotchi zum zweiten Mal in ihrer Karriere an Olympischen Spielen teilnehmen. Vor vier Jahren in Vancouver raste sie in der Abfahrt auf Platz zehn, im Super-G auf Rang 15. In diesen beiden Disziplinen will sie es auch nach Russland schaffen. „Darauf werde ich mich konzentrieren. Ob ich auch in der Kombination antreten werde, weiß ich noch nicht. Das hängt davon ab, wie mein
Knie auf das Slalomtraining reagiert.“

Im Vorjahr auf Platz fünf gerast

Für Ginas Bruder Tobias, 28, der im vergangenen WM-Winter ebenfalls eine Knieoperation gut überstand, beginn die neue Saison am morgigen Samstag. Dann steht in Lake Louise das Abfahrtsrennen der Männer an.
Start ist um 20 Uhr unserer Zeit. Bundestrainer Karlheinz Waibel (Sulzberg) erhofft sich von Stechert eine ähnlich starke Leistung wie im Vorjahr, als er beim Saisonstart in Lake Louise Fünfter wurde.

Tobias Stechert
Tobias Stechert
Abfahrtlauf - Gina Stechert
Abfahrtlauf - Gina Stechert