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Aggressiv und locker

Nach vielen Rückschlägen ist Tobias Stechert in der Weltspitze angekommen. Platz fünf in der Abfahrt von Lake Louise soll erst der Anfang sein

Dieses Jahr könnte für Tobias Stechert nicht besser laufen. "Ich habe geheiratet, einen Sohn gekriegt und jetzt das: Es ist einfach super", frohlockte der 27 Jahre alte Skirennfahrer nach seinem sensationellen fünften Platz in der Weltcup-Abfahrt von Lake Louise. Als der Oberstdorfer mit nur 0,85 Sekunden Rückstand auf den norwegischen Sieger Aksel Lund Svindal über die Ziellinie fuhr, breitete er glückselig die Arme aus und feierte das beste deutsche Schussfahrt-Resultat seit 2004 mit einem Freudenschrei. "Dass es so weit nach vorne geht, damit habe ich nicht gerechnet."

Zuletzt war Max Rauffer vor acht Jahren mit seinem Sieg in Gröden als Starter des deutschen Skiverbands noch besser platziert gewesen. "Für Tobi ist es ein extrem erfreuliches Ergebnis, das den positiven Trend bei den Männern untermauert", lobte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. Nach den starken Technikern Felix Neureuther und Fritz Dopfer tasteten sich auch die Speedfahrer langsam aber beständig nach vorne. "Das ist sehr wichtig für uns", meinte Stephan Keppler, der 21. wurde. "Dieses Jahr kann man auf jeden Fall etwas von uns erwarten."

Auf Stechert hatten die Verantwortlichen nach häufig starken Trainingsleistungen schon länger gehofft. Doch immer wieder wurde der Allgäuer von Verletzungen - darunter zwei Kreuzbandrissen - zurückgeworfen."Es hat sich in den letzten Jahren nie so richtig zusammengepasst. Heuer war es eine brutal gute Vorbereitung", begründete er die frühe Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Februar in Schladming.

Dass ihm mit Startnummer 32 nur 19 Hundertstelsekunden auf die beiden Drittplatzierten Klaus Kröll aus Österreich und Marco Sullivan aus den USA zu seinem ersten Podiumsplatz fehlten, konnte Stechert die blendende Laune nicht vermiesen. "So gut bin ich noch nicht, dass ich mich über einen fünften Platz ärgere. Ich bin lang genug dabei, dass ich weiß, dass es auch wieder anders laufen kann." Auch Max Franz aus Österreich war als Zweiter nur gut zwei Zehntel entfernt.

Bei schlechten Lichtbedingungen als für die Topfahrer hatte Männer-Chef Karlheinz Waibel bei Stechert die richtige Mischung aus Aggresivität und Lockerheit" ausgemacht. " Es war eine Fahrt auf hohem Niveau, aber auch kein Jahrhundertlauf."

Text: Allgäuer Anzeigeblatt

Tobias Stechert
Tobias Stechert