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Abflug mit 2,23 Meter langen Brettern

Katharina Althaus aus Schöllang erklärt die Geheimnisse des Skispringens

Auf Olympia in Sotchi haben 153 deutsche Athletinnen und Athleten hingearbeitet. Sie stehen beim größten Sportfest der Welt bis zum 23. Februar im Mittelpunkt. In einigen Disziplinen ist es wichtig, dass sich die Sportler auf ihr Wettkampfgerät verlassen können. In unserer Serie berichten Sportler aus der Region über die Funktionen ihrer
wichtigen Begleiter. Skispringerin Katharina Althaus, die heute nach Sotchi fliegt, erklärt uns im ersten Teil den Skisprungski.

Wie lang und wie schwer ist ein Skisprungski für Frauen?
Katharina Althaus: Mein Ski misst 2,23 Meter und wiegt etwa fünf bis sieben Kilogramm.

Wer entscheidet über Länge und Gewicht?
Katharina Althaus: Die Länge des Skis hängt von der Größe und dem Gewicht der Springerin ab. Der Weltskiverband Fis hat in einer Tabelle festgelegt, bei welcher Größe und welchem Gewicht welcher Ski gesprungen werden muss.

Woran merkt man, dass man den richtigen Ski hat?
Katharina Althaus: An der Geschwindigkeit, die man beim Anfahren hat. Außerdem ist es wichtig, dass man beim Springen stabil auf dem Ski steht. Wenn zum Beispiel der Schwerpunkt beim Springen falsch ist, wird man instabil.

Wie oft testest du Ski vor der Saison, um das optimale Material zu finden?
Katharina Althaus: In der Regel testen wir Skier, Schuhe und Bindung einmal im Jahr – immer im Sommer. Falls trotzdem irgendetwas nicht stimmen sollte, können wir im Herbst noch mal alles überprüfen.

Ist es möglich, während der Saison das Sprunggerät zu wechseln?
Katharina Althaus: Es ist möglich, den Ski innerhalb der Marke zu tauschen. Sonst, wenn es ein ganz anderer Ski sein soll, macht man das erst nach der Saison.

Wie lange dauert die Umstellung bei einem Wechsel?
Katharina Althaus: Die Umstellung dauert etwa eine Trainingseinheit. Also etwa sieben Sprünge. Danach ist alles so eingestellt wie beim Ski davor.

Entscheidest du, ob du den Ski wechseln willst, oder dein Trainer?
Katharina Althaus: In erster Linie ich. Aber ich spreche mich dann mit meinem Trainer ab.

Ist jeder Ski anders oder sind es nur Kleinigkeiten, die die einzelnen Bretter unterscheiden?
Katharina Althaus: Natürlich kann es zwischen den Skiern große Unterschiede geben.
Diese entstehen meistens durch die Bindung. Denn wenn ich die Bindung verändere, ändert sich auch mein Schwerpunkt.

Aus was besteht der Ski und wie ist er aufgebaut?
Katharina Althaus: Aus Glasfiber oder Karbon-Laminat. Das Innere der Ski hat die Struktur einer Bienenwabe. Die vielen Hohlräume machen den Ski leichter.

Wer kümmert sich darum, dass dein Ski immer gut gewachst ist?
Katharina Althaus: Für das Training wachsen die Springerinnen selber ihre Ski. Bei Wettkämpfen oder jetzt bei Olympia kümmert sich unser Techniker darum.

Wie schnell bist du, wenn du von der Schanze abspringst?
Katharina Althaus: Ich fahre dann um die 90 Kilometer pro Stunde.

Was ist für die Skispringer die schwierigste Phase nach dem Start vom Balken?
Katharina Althaus: Das ist der Absprung, denn dabei kann man am meisten falsch machen.

Was kann man dagegen machen, dass der Ski nach der Landung nicht verkantet?
Katharina Althaus: Wichtig ist, dass man stabil landet und weiterfährt.

Öffnen die Ski automatisch, wenn man stürzt?
Katharina Althaus: Ja das geht automatisch. Möglich macht das eine Sicherheitsbindung. Sobald ich stürze, löst sie sich. Das ist wichtig, sonst könnte man sich schwer verletzen.

Was kostet ein Paar Sprungski und wer bezahlt die Bretter?
Katharina Althaus: Etwa 500 bis 700 Euro. Jetzt bezahlt der Deutsche Ski Verband meine Bretter. Früher, als ich noch nicht im Kader war, hat der Skiclub Oberstdorf die Kosten übernommen.

Was passiert, wenn ein Ski kaputt geht?
Katharina Althaus: Das ist nicht problematisch, da ich immer einen Ersatzski habe. Dieser ist nahezu identisch mit dem Vorgänger.

Hast du Lieblingsski oder springst du mit unterschiedlichen?
Katharina Althaus: Da ich jedes Jahr ein neues Paar bekomme habe ich keinen Lieblingsski.

Wie lange hält ein Sprungski?
Katharina Althaus: Wir haben den Ski eine Saison. Danach gebe ich sie dem Skiclub für die jüngeren Sportler. Eigentlich könnte man einen Ski so lange springen, bis sich der Belag abnutzt. Denn die Spannung verliert ein Ski nie.

Was rechnest du dir in Sotschi bei den Olympischen Spielen in Russland aus?
Katharina Althaus: Die Konkurrenz ist natürlich sehr groß. Aber wir haben uns sehr gut vorbereitet. Ich gehe in den Wettkampf und gebe mein Bestes. Ich würde gerne unter die besten zehn kommen. Das wäre schon ein schöner Erfolg. Aber ich bin schon froh, dass ich bei Olympia dabei sein kann.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 05.02.2014

Katharina Althaus
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