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40 Jahre Skilauf in Oberstdorf

Eine Rückschau auf das 40-jährige Bestehen des Skiclubs 1906 Oberstdorf

Aus ersten Anfängen

Im Gegensatz zu dem allgemeinen Bild unserer Tage, das gekennzeichnet ist durch bedenkliche Lähmungs- und Zerfallserscheinungen, zeigt sich beim SCO 1906 eine wohltuende Regsamkeit und ein erfreulicher Auftrieb. Es mögen außer der Freude an diesem lebensfrischen Sport im Augenblick zwei Faktoren zusammenwirken: einerseits das Bedürfnis nach Ablenkung von den Häßlichkeiten des gegenwärtigen Lebens und andererseits eine starke Hand, die den Verein leitet.
Diese 40 Jahre Ski-Club 1906 Oberstdorf bedeuten nicht irgendeine belanglose Vereinstätigkeit, sondern die Aufwärtsentwicklung des Skilaufes aus ersten Anfängen heraus auf eine damals nicht vorauszuahnende Höhe, in dieser Zeit wurde aus einem Winterschlaf träumenden Bergdorf der Wintersportplatz Oberstdorf.

Die nordischen Hölzer waren vor vierzig Jahren im Allgäu keineswegs mehr unbekannt, deren Verwendung erfolgte damals jedoch in erster Linie aus Zwecksmäßigkeitsgründen heraus als Fortbewegungsmittel im tiefen Schnee. In diesem Sinne wurden sie wohl erstmalig zur winterlichen Besteigung des Nebelhorns im Jahre 1901 gebraucht von Dr. Madlener, Kempten, und Fritz Heimhuber, Sonthofen. Sportlich entwickelte sich der Skilauf aber erst mit der Tätigkeit der Skivereine.
Nachdem im Jahre 1905 der Deutsche Skiverband gegründet worden war, fanden sich am 8. Dezember 1906 auch in Oberstdorf 15 Herren zusammen, um den „Skilaufverein Oberstdorf“ aus der Taufe zu heben. Max Gschwender wurde als erster Vorstand gewählt. Im Jahre 1908 trat der Verein dem Deutschen Skiverband bei. Am 5. Januar 1908 wurde das erste Rennen zwischen Schrattenwang und Waldesruhe abgehalten, aus dem Anton Tauscher, Schwand als erster Sieger hervorging. In diesem Jahre wurde auch der erste Skikurs in Oberstdorf durchgeführt und von Eugen Heimhuber geleitet. Am 6. Januar 1909 war unser Ort Schauplatz eines allgemeinen Skirennens mit Damen- und Jugendläufern und mit auswärtiger Beteiligung. Dabei trat unter anderen Pionieren des Allgäuer Skilaufes auch Gebhard Kirchmann, Oberstaufen, in Erscheinung. In diesem Jahr änderte der Verein seinen Namen in „Ski-Club Oberstdorf“.

Leider kam es wegen Unstimmigkeiten unter den Mitgliedern im Jahre 1912 zu einer Spaltung und zur Neugründung des „Skivereins II“. Wiederholte Bestrebungen zur Wiedervereinigung der beiden Vereine, mit denen der Skiclub schon 1920 hervortrat, haben erst am 29.09.1931 bei Gustl Seeweg, als dem Vorstand des Skivereins II, und bei dessen Schriftführer Sepp Schraudolph die verständnisvolle Aufnahme und Vertretungerfahren, die zum Erfolg und auf Vorschlag von Liese Braxmaier zu der neuen Namensgebung „Ski-Club 1906 Oberstdorf“ führte.

Werte des Skilaufes

Der Skilauf hat bei der heimischen Bevölkerung viel Verständnis und durch die Gemeinde und den Verkehrsverein bzw. das Verkehrsamt eine tatkräftige Förderung gefunden, was jedoch nicht ausschloß, daß man die Anhänger des jungen Weißen Kunst nicht sofort ernst nahm und häufig verlachte. Es machten sich auch Widerstände gegen die Bedürfnisse, dieses musste festgestellt werden. Es bestand auch die Meinung, dass der Skilauf den Ernteertrag der Wiesen beeinträchtigte, was einige Grundbesitzer veranlasste, Geldforderungen an den Skiclub zu stellen, mit gleichzeitiger Drohung der Absperrung vielbefahrener Hänge. Von dieser hier als Kuriosum vermerkten Zeiterscheinung abgesehen, erkannte man jedoch frühzeitig die Werte des Skilaufes, die über die sportliche Bedeutung weit hinausreichten, Werte, die der Volksgesundheit dienten und die den Menschen die engste Verbindung mit den bisher unbekannten Schönheiten der winterlichen Berglandschaft und ihn damit in den Genuss eines ganz neuen, beglückenden Naturerlebnis brachten. Man hatte mit Hilfe der Schneeschuhe eine neue Welt entdeckt.

Mit der Ausbreitung des Skilaufes steigerte sich aber auch dessen wirtschaftliche Bedeutung und es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dass es ohne ihn keinen Wintersportplatz im heutigen Sinne gäbe. Von dieser Seite her betrachtet, muss man dem Skiclub einen wesentlichen Anteil am Aufschwung Oberstdorfs zuerkennen. Denn seine Arbeit war gleichbedeutend mit der Erfüllung der Ansprüche, die der Wintergast in sportlicher Beziehung an seinen Erholungsort richtete. Bevor es ein Berufsskilehrertum gab, hatte der SCO geeignete Kräfte zur Abhaltung von Skikursen zur Verfügung gestellt, bezw. auswärtige Skiläufer hiezu verpflichtet. Kurgästewettläufe dienten ebenso der Befriedigung dieser Wünsche, desgleichen Lichtbildervorträge über das Allgäuer Skitourengebiet. Erst einige Jahre nach dem Weltkrieg hat die Berufsskilehrer-Organisation die direkte skisportliche Betreuung der Wintergäste übernommen. Im Jahre 1912 brachte der SCO einen eigenen Oberstdorfer Skitourenführer mit Kartenmaterial heraus und war später auch Mitarbeiter an dem vom Allgäuer Skiverband verlegten „Allgäuer Skiführer“. Touristischen und Werbezwecken diente auch die 1935 begonnene Anlage eines Bildarchives und einer Diapositivsammlung. Es sei hier auch noch auf die Bedeutung der örtlichen und Verbandsveranstaltungen als Bereicherung des wintersportlichen Lebens und als Werbemoment für den Ort hingewiesen, um die Verdienste des SCO. 1906 am guten Klang des Namens Oberstdorf darzulegen, die sich über die satzungsmäßige Aufgabe hinaus als nutzbringende Folge seiner Tätigkeit ergeben haben.

Schulung der Jugend und der Wettläufer

Der SCO 1906 hat seit Jahren einen starken Stamm von hervorragend bewährten Wettläufern, der sich aus der Jugend heraus immer wieder verjüngt. Diesen lebendig sprudelnden Kraftquell verdankt er einer zielbewußten Erfassung und Schulung der Jugend. Schon 1908/09 veranstaltete der junge Verein den ersten Skikurs für Knaben, der auch in den folgenden Jahren von Postsekretär Benedikt Stiefenhofer erteilt worden war. Am 20.März 1912 erfolgte die Gründung einer Jugendgruppe. Einen gewaltigen Aufschwung nahm der Jugendskilauf aber nach 1913, während der neunjährigen Vorstandschaftszeit von Josef Dreher †, der in der skiläuferischen Ausbildung der Jugend seine erste und schönste Aufgabe sah. Die Erfolge rechtfertigten seine aufopferungsvolle Arbeit und seinen Idealismus. Erst als aus Veranlassung von Rektor Henkel und unter dessen tatkräftiger Leitung der Skilauf im Jahre 1923 in den obligatorischen Turnunterricht der Volksschule und Realschule eingebaut worden war, brauchte sich der Skiclub dieser Arbeit nicht mehr zu widmen. Die von der Jugend begeistert miterlebten Jugendskitage beweisen alle Jahre aufs neue die Richtigkeit des beschrittenen Weges. Die Jugendabteilung des SCO. war die größte im DSV. Der sportlichen Schulung der aktiven Läufer dienen jeden Herbst die vorbereitenden Skigymnastik-Abende, die Trainings- und Ausscheidungsläufe sowie die Entsendung aussichtsreicher Läufer zu Trainingskursen des Skiverbandes.

Die Besten kämpfen um den Sieg

Mit durchwegs sehr großer Beteiligung wurden die örtlichen Skiwettkämpfe durchgeführt. Zu den Abfahrtsrennen gesellten sich als selbstverständliche Disziplin alsbald der Sprunglauf, dann der Langlauf nach nordischem Vorbild und der Torlauf. Der Titel des Klubmeisters wurde an die Erfüllung wechselnder Bedingungen geknüpft und jeweils an den Besten aus der Dreier- bzw. der nordischen oder alpinen Kombination vergeben. Im heurigen Jubiläumswinter erhält ihn der Sieger aus der Vierer-Kombination. Die Klubmeisterin wird gekürt aus Abfahrts- und Torlauf. Als bis jetzt nur einmalige Veranstaltung startete der Klub am 2. April 1939 den großen Nebelhornabfahrtslauf vom Gipfel bis zum Plattenbichl mit einem Höhenunterschied von 1370 m. Gewinner dieses Laufes war mit der Bestzeit von 11.56 Min. Rudolf Kaiser †. Eine Gelegenheit, die jedem Läufer ständig die Möglichkeit zur Prüfung seines skitechnischen Könnens gibt, ist der Standardlauf Schrattenwang-Oberstdorf. Die geforderten Zeiten sind: für das Goldene Abzeichen 4.20 Min., für das Silberne Abzeichen 5.20 Min., für das Bronzene Abzeichen 7.20 Min., für die Altersklassen und die Damen sind die Bedingungen günstiger gestellt. Die bis heute kürzeste Laufzeit erzielte am 1.Januar 1947 Willi Klein mit 3.55 Min. Viel Anklang fanden die alpinen Abfahrtsläufe vom Himmeleck und Aelpele ins Oytal, die auch der Skiverein II durchzuführen pflegte. Zum schönsten skikameradschaftlichen Erlebnis aber gestaltet sich regelmäßig das Pfingstrennen am Kratzer, das seit 1936 jedjährlich die Skisaison beschließt.

Ebenso wie der Ski-Club es verstanden hat, die Jugend zum Skilauf anzureifen und für sich zu gewinnen, so hat er auch die Verbindung mit den alten Mitgliedern nie aufgegeben und festigte sie durch die Einführung des Alt-Herren-Laufes im Jahre 1927, wodurch ein enges, ersprießliches Verhältnis zwischen der aktiven Jugend und der um die Förderung des Skilaufes verdienten älteren Generation entstanden ist. Es bedarf keines stärkeren Beweises mehr für die Volkstümlichkeit des Skilaufes in Oberstdorf, als wenn 70-jährige an den Start treten. Die Durchführung dieser Veranstaltungen obliegt von Anfang an dem Ehrenmitglied Sepp Brutscher.

Sprungläufe und Verbandsveranstaltungen in Oberstdorf

Besonders gewürdigt werden muß dieser Jubiläumsrückschau die Pflege des Sprunglaufes in Oberstdorf. Nicht nur, daß der Ort eine Sprunghügelanlage besitzt, die der Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen nur wenig nachsteht und die Geltung hat für internationale Wettbewerbe, sondern er hat auch Springer hervorgebracht, die Deutschland wiederholt im In- und Ausland auf größten Wettbewerben ehrenvoll vertreten haben. Die erste Schanzenanlage an der Hofmannsruhe erfüllte allerdings nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Erst 1925 bekam Oberstdorf auf Betreiben des damaligen Kurdirektors Hermann Schallhammer die Schattenbergschanze, zu deren Bau und Umbau anläßlich der Deutschen Meisterschaft 1930 die Gemeinde die erheblichen Kosten nicht scheute. Nach einigen vorgenommenen Verbesserungen an der Anlage beträgt heute der Weitenrekord 71 Meter (1946 erreicht von Sepp Weiler). Als sich 1936 im Anschluß an die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen die besten deutschen und internationalen Kräfte hier zu einem Schauspringen eingefunden hatten, waren 7.000 Zuschauer Zeugen eines auserlesenen sportlichen Ereignisses. Norweger, Kanadier, Amerikaner, Finnen gingen über diese Schanze, darunter Reidar Andersen, Raabe, Rud. Durch den Bau der Nebelhornbahn ist es möglich geworden jederzeit auch in der Höhe von 2.000 Meter einen Bakken zu improvisieren, der Weiten bis über 50 Meter zuläßt. 1926 entstand die Jugendschanze am Kühberg, auf der man bis zu 34 m erreichen kann und die unserem Springernachwuchs eine außerordentlich günstige Schulungsmöglichkeit bietet. In der Kübergschanze besitzt Oberstdorf neben Garmisch-Partenkirchen die einzige Nachtsprunganlage in Deutschland; ebenso hat es am Kühberg einen elektrisch beleuchteten Torlaufhang.

Mit der bequemen Erreichbarkeit des Nebelhorns haben wir seit 1930 unmittelbar vor der Türe ein schneesicheres Gebiet und dadurch sind wir vom Tale unanhängig geworden. Unser Ort erfüllt also alle Voraussetzungen zur Uebernahme von Verbandsveranstaltungen und hat sich mit deren mustergültiger Durchführung den besten Ruf erworben. Außer den Allgäuer Meisterschaften, die wiederholt in unserem Gelände ausgetragen wurden und von denen schon die erste im Jahre 1910 hier vor sich ging, waren es vor allem die beiden Deutschen Skimeisterschaften 1930 und 1936 die uns anvertraut waren. Die denkbar unglücklichsten Schneeverhältnisse im Januar 1930 erbrachten den Beweis, daß die Bevölkerung Oberstdorfs um die Bedeutung einer solchen Meisterschaft weiß und bereit ist, alle Kraft zu deren Gelingen einzusetzen; besondere Verdienste darum erwarben sich der damalige Vorstand Wolfgang Hohenadl und sein treuer Helfer Sepp Brutscher. Für die einwandfreie Erledigung der Meisterschaft 1936 zeichnete Sepp Schraudolph verantwortlich. 1940 wurde auch die alpine Kombination der Bayrischen Meisterschaft ins Allgäu und zwar ins Nebelhirngebiet verlegt. Mehrere internationale Sprungveranstaltungen sowie ein olympisches Trainingsspringen haben den Namen unseres Ortes als Wintersportplatz weiterhin gefestigt. Erwähnt seien auch die 30-,35- und 40-km-Dauerläufe des Allgäuer Skiverbandes, die im Rahmen unserer Berge und des Oytales abgewickelt worden sind.

Oberstdorfer Skiläufer auf auswärtigen Wettbewerben

Bei diesen günstigen Voraussetzungen ist es selbstverständlich, daß von unseren heimischen Läufern hohe sportliche Durchschnittsleistungen erzielt wurden; aber auch Spitzenkönner sind in allen Laufarten aus dem SCO hervorgegangen, die Oberstdorf aus das beste auswärtigen Konkurrenzen vertreten haben. Am stärksten sind unsere Springer in Erscheinung getreten. Namen wie Franz Thannheimer und Franz Faschingleitner † sind mehrmals auf vorderen und ersten Plätzen erschienen. Franz Thannheimer, der ohne große Vorbilder durch eigene Schulung sich sein Können angeeignete, ist der Jugend seiner Zeit zum Vorbild und Ansporn geworden; im Jahre 1928 glückte ihm beim Trainingsspringen zur Olympiade in Pontresina mit 75 Meter der damals weiteste Sprung der Welt. Ganz besonders aber sind auf den größten Schanzen Europas unser Heini Klopfer und Sepp Weiler durch ihre Leistungen aufgefallen. Sie haben schon als Jungmannen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wir finden beide auf der Olympiaschanze seit Jahren in der Spitzengruppe und sahen sie dort am 9. Februar 1947 mit einem 76-m-Doppelsprung eine neue Weitenleistung aufstellen. Weiler hat dort am gleichen Tag zweimal den Schanzenrekord bei der 84-m- Marke erreicht. Beide vertraten Deutschland auf der Mammutschanze in Planiza in Jugoslavien (Klopfer 105, Weiler 96 Meter), in Bosafüredi in Ungarn (Weiler 1., Klopfer 2.Preis), bei den Skiweltmeisterschaften in Cortina d’Ampezzo (Weiler 4.,Klopfer 8.Preis). Weiler sprang auch beim Länderspringen in Sestière (3.Preis), Zakopane in Polen (1.Preis), am Holmenkol sowie in Lathi (Finnland). Klopfer errang 1938 beim Ländermannschaftsspringen in Klagenfurt den 1.Preis, bei der Ungar Meisterschaft den 2 Preis.
Von den Abfahrts-,Lang-und Torläufern alle diejenigen zu nennen, die für Oberstdorf erste Preise mit nach Hause nehmen durften, ist hier nicht möglich; trotzdem können solche Namen nicht ungenannt bleiben, die immer wieder den Sieg an die heimischen Farben geheftet haben. Liese Schedler hat sich durch viele Jahre hindurch nicht nur als Klubmeister gehalten, sondern er war auch im Abfahrts-und Torlauf gefürchtet als Konkurrent und hat regelmäßig seine ersten Preise erobert. Das gleiche gilt von dem alten Kämpen Philipp Risch, sowie von Senzl Schedler und Marie Anwander. Auch Willy Seeweg war wiederholt in der Sportspresse genannt als Sieger in großen Langläufen. Die Bestzeiten im Dauerlauf des Allgäuer Skiverbandes buchten für sich im Jahre 1933 über 30 km Franz Faschingleitner mit 2 Std. 22 Min. 24 Sek. Und 1935 über 50 km Ignaz Vogler mit 5 Std. 31 Min. Hervorragend geschlagen haben sich wiederholt auch die Staffeln des SCO. mit den Läufern Schedler Hermann, Schedler Liese, Schwarz Seppl, Schwarz Ludwig, Braxmair Seppl, Vogler Ignaz, Schwarz Kaspar, Zwick Otto und Faschingleitner. Sie gewannen 1935 in ununterbrochener Reihenfolge zum dritten Male den Wanderpreis des Allgäuer Skiverbandes. In gleicher Weise behaupteten sich durch viele Jahre die Altersstaffel-Läufer Bader Hans, Risch Philipp, Menz Willy, Huber O., Berktold Michl, Käufler Martin, Brutscher Anton, Braxmair Liese.
Neben dieser sportlichen Seite übersah der SCO: auch nicht die Förderung des Tourenlaufes und die Pflege der Kameradschaft. Diesem Ziele diente er mit der Durchführung von Gemeinschaftstouren von geselligen Veranstaltungen und mit der Pachtung von Skihütten. Vor dem ersten Weltkrieg hatte er sich die Alpe Schrattenwang hiezu gesichert, von 1920 an das Schlappoldhöfle, von 1926 an die Alpe Bierenwang und seit 1935 die Vordertaufersbergalpe.

Die Führung des Vereines

Zum Schluss dieser Rückschau sei auch derer gedacht, die während der vierzig Jahre die Geschichte des Klubs lenkten und die reiche Fülle an Arbeit bewältigten. – Nach dem Gründungsvorstand übernahm 1908 Dr. Clemens Boesl den Verein, ihm folgten 1911 Benedikt Stiefenhofer, 1912 Zollamtmann Herndl, 1913 Josef Dreher, 1922 Viktor Rueß, 1923 Dr. Helmling, 1925 Wolfgang Hohenadl, 1931 Hans Bader und nach Wiedervereinigung der beiden Vereine im Herbst 1931 Gustl Seeweg, 1935 SeppSchraudolph, 1938 Xaver Kaiser, der nach seiner Einberufung in en Heeresdienst (1939) von Sepp Rieber und von 1944 an bis zum Kriegsende von Fräulein Friede Haug vertreten wurde.
Im Skiverein II amtierten während des neunzehnjährigen Bestehens folgende Vorstände: Gründungsvorstand Johann Seeweg 1912/13 Ludwig Kast, 1914/19 Johann Seeweg, 1919/22 Ernst Rueß, 1923 Ludwig Waibel, 1924/29 Max Berktold, 1929/31 Gustl Seeweg.
Es sprach für den Lebenswillen des SCo. 1906, daß er nach dem Abschluß dieser fürchterlichsten deutschen Epoche am 23. Oktober 1945 seine Arbeit von neuem begann. Die Vereinsleitung legte er wieder in die bewährten Hände von Gustl Seeweg. Den von Oberstdorf ausgehenden Bestrebungen zur Zusammenfassung der Skivereine unseres Bezirkes folgte am 20. Januar 1946 die Gründung eines Oberallgäuer Skiverbandes mit dem Sitz in Oberstdorf, unter der Vorstandschaft von Gustl Seeweg. Am 15. Dezember 1946 war es dann möglich, an dessen Stelle den Allgäuer Skiverband in den früheren Form wieder ins Leben zu rufen, allerdings unter Verzicht auf das Westallgäu, dessen Einbeziehung durch die Zonenabgrenzung vorerst unterbunden ist. Auf der Gründungsversammlung in Kempten wurde Oberstdorf mit Gustl Seeweg an der Spitze der Führung übertragen.
Der Ski-Club 1906 Oberstdorf ist heute weitaus der stärkste Verein des Allgäus. Im ersten Weltkrieg haben vier, in den Jahren 1939/45 fünfundsechzig Kameraden ihr Leben für Deutschland geopfert. Ehre ihrem Andenken! Vierzig Kameraden sind noch vermißt. Folgende verdiente Mitglieder hat der Klub geehrt: Josef Dreher durch Ernennung zum Ehrenvorstand; Gustl Seeweg, Sepp Brutscher, Jugendwart Anton Henkel und Otto Schratt durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft; zahlreiche um die Vereinsführung und im Sport verdiente Männer zeichnete er mit der Silbernen Ehrennadel aus. Sepp Brutscher ist gleichfalls Inhaber des Ehrenbriefes des DSV. Rektor Anton Henkel, der seit 1930 auch im ASV. und vier Jahre lang im DSV. Den Jugendskilauf betreute, wurde die Silberne und Goldene Ehrennadel des DSV verliehen.
In einer Zeit harter Bedrängnis und schwerster deutscher Not geht der SCO 1906 in das fünfte Jahrzent seiner Geschichte hinein. Er kann mit Stolz auf die Früchte seiner Arbeit zurückschauen. Das skisportliche Leben, das sich im vergangenen Jahr unter seinen Mitgliedern wieder hervorgedrängt hat und die unversiegbare Kraft, die ihm aus seiner Jugend zuströmt, geben ihm das Recht zu hoffen, daß er auch in der Zukunft seine große und verdienstvolle Aufgabe zu erfüllen in der Lage sein wird.

Ski-Heil!