Neubau HS 106 in der Erdinger Arena         Finale FIS-Team-Tour Weltcup Skifliegen 17.-19.02.2012         60. Vierschanzentournee - Bildimpressionen      
Veranstaltungen
SCO-News

Frauenpower an der Schanze

von am 15.06.10



Und? Was meinst du selbst zu deinem Sprung?“ ruft Trainerin Catrin Schmid gespannt nach oben, wo sich Veronika gerade wieder mit geschulterten Skiern auf den Weg zum Absprungbalken macht. Die 15-jährige weiß, dass ihr der Versuch ein wenig missraten ist. „Zu weit hinten drin gehockt“, stellt sie unzufrieden fest und nimmt sich vor, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Es ist das erste Training nach der sechswöchigen Frühjahrspause der Springer und Springerinnen des Skiclub Oberstdorf. Statt von den großen Schanzen sollen sie auf der K-30 anfangen. „Die kleine mögen sie nicht so gern, vor allem bei der Umstellung von Schnee auf Matten“, ahnt Catrin Schmid schon die leichte Gegenwehr, bevor sie ihren Schützlingen ihre Pläne offenbart. Zu sechst sind an diesem Nachmittag, vier Mädchen und zwei Buben. An anderen Tagen sind es bis zu 20 Nachwuchsathleten, die die 26-Jährige wechselweise mit Michi Kiechle trainiert. Als wäre es nicht schon ungewöhnlich genug, dass da an der Schanze eine junge Frau den Laden schmeißt, hat Catrin Schmid für die neue Saison einen weiteren Schritt in eine „Männerdomäne“ gemacht: Vor ein paar Wochen löste sie Stefan Piper als Coach der LG II Damen ab und ist im Deutschen Skiverband in der Abteilung Skispringen seither erste und einzige Frau in vergleichbarer Position.

„Ein Traumjob“ urteilt sie, die als gelernte Reiseverkehrsfrau auch schon im Ausland gearbeitet hat. Es mache ihr Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ihnen den Sport nahe zu bringen, bei Niederlagen zu trösten und mit ihnen Erfolge zu feiern. Sie selbst ist zum Springen durch ihren Vater Hans gekommen, der nach seiner aktiven Sportlerlaufbahn als Trainer beim SCO arbeitete und inzwischen als stellvertretender Geschäftsführer der Skisport- und Veranstaltungs GmbH der Erdinger Arena weiter verbunden ist.

Statt nur den großen Bruder beim Springen bewundern, selbst mitmachen, schien der damals Achtjährigen das beste Mittel gegen die langweilige Zuschauerrolle. Bis zur 90-Meter-Schanze hat sie es schließlich auch geschafft, aber „Gegen die Buben hatte ich als Mädchen halt wenig Aussicht auf Erfolg“, meint sie heute. Separate Wettkämpfe für Mädchen gab es damals noch nicht. Das hat sich inzwischen geändert und die zierliche Oberstdorferin sieht großes Potenzial in Damenspringen. „Unser Sport hat für die Mädchen Zukunft, spätestens wenn wir olympisch werden“, ist die 26-jährige überzeugt. Das beste Beispiel liefern ihrer Meinung nach die Biathletinnen, die vor 15 Jahren zaghaft gestartet waren. „Heute denkt angesichts der großen Erfolge darüber niemand mehr nach“, meint Catrin.

In der Leistungsgruppe II, die sie neuerdings deutschlandweit betreut, hat sie ein paar ganz „heiße Eisen“ Katharina Althaus vertritt dabei den Skiclub Oberstdorf.  Die 14-jähirge freut sich, dass sie künftig Catrin nicht nur als Heimtrainerin an ihrer Seite hat, sondern auch bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. „Catrin ist absolut cool“ grinst die deutsche Vizemeisterin im Skispringen und stapft mit Sarah, Veronika, Hubsi und Claudius hinauf zur Schanze, zum nächsten Sprung.  - wir



Druckversion dieses Artikels anzeigen - Diese Seite weiterempfehlen

  Zurück
Suche
Newsletter
Anmelden
Abmelden
Partner
Wetter