Oberstdorf (wir). Christina Geiger winkt begeistert mit ihren roten Strickhandschuhen aus Vancouver in die Menge. „Dass so viele Menschen kommen, das ist super-cool“, strahlt sie mit SCO- Kameradin Nicole Fessel um die Wette, als sie im Kurpark auf die vielen begeisterten Zuschauer und das Glitzern von Wunderkerzen und Blitzlichtern blickt. Wie die übrigen Olympiateilnehmer, die nach den Winterspielen in Vancouver zurückgekehrt sind, ist sie sichtlich gerührt von der herzlichen Begrüßung in ihrer Heimatgemeinde Oberstdorf. Bevor es im Kurpark Lobeshymnen, Interviews, Geschenke und den Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde gibt, haben sich die Athleten am Bahnhof getroffen, um in Begleitung der Musikkapelle Oberstdorf sowie Fackel- und Fahnenträgern des Skiclubs und Eissportclubs per Kutsche zum Oberstdorf-Haus zu fahren.
Schon am Bahnhof genießen zahlreiche Zuschauer den hautnahen Kontakt zu den erfolgreichen Sportlern. Urlauber Udo Römer freut sich unbändig, als sich Michael Neumayer bereitwillig Arm in Arm mit ihm vor die Kamera stellte. „Der Michi ist immer so ein Stiller, aber wenn es drauf ankommt, ist auf ihn immer Verlass“, erklärt der Bocholter seine besondere Sympathie für den Silbermedaillen-Gewinner aus Oberbayern mit Wohnsitz in Schöllang. Währenddessen gibt Nachwuchs-Langlauftrainer Thade Thannheimer Regieanweisungen für die Kleinsten des Skiclubs, verteilt Fackeln und Club-Fahnen. Nein, aufgeregt sei er angesichts der Prominenz nicht, meint Felix, als er sich eine Fackel schnappt. Die großen Sportler seien doch alle ganz „normal“ geblieben und man kenne sich doch schon vom Skiclub her. Top-Sportler mit Bodenhaftung also: Tina Geiger und Nicole Fessel gehen fürs Foto mit einem kleinem Fan spontan in die Knie und Tina verrät, dass sie die heißbegehrten und so gut wie ausverkauften Fäustlinge vor der Heimreise am Flughafen in Vancouver doch noch entdeckt und ihren Eltern gleich auch zwei Paar mitgebracht habe. Kutscher Franz Boxler, der sich und seine Pferde besonders herausgeputzt hat, ist sehr stolz über die besondere Ehre, die berühmten Passagiere zum Kurhaus zu bringen.
Im Kurpark angekommen, geht es durch ein Spalier aus Skiern und Fahnen hinauf auf die Bühne, wo jeder der Sportler tosenden Applaus erhält. Die Eiskunstläufer Maylin Hausch und Daniel Wende sind die ersten, die den Jubel genießen dürfen. Von ihren hervorragenden Trainingsmöglichkeiten und der guten Aufnahme in Oberstdorf schwärmen die beiden dem Moderator Bernhard Lingg vor und dass sie eigentlich ganz zufrieden sind mit ihrer Platzierung im olympischen Wettkampf, immerhin einer persönlichen Bestleitung. Ob mit Medaille oder nicht, ob waschechte Oberstdorfer, Internatsbewohner oder wegen der guten Trainingsbedingungen unter Nebelhorn daheim, zufrieden sind an diesem Abend alle Olympioniken: Nicole Fessel, Hannah Kolb, Gina Stechert, Tina Geiger, David Speiser, Michael Neumayer und Johannes Rydzek berichten von den Olympischen Spielen als einem unvergesslichen Erlebnis und von viel Zuversicht für 2014 in Sotschi. Auch der Beitrag der Sprung-Trainer Andreas Bauer, Daniel Winkler und Peter Leiner, der inzwischen die Schweizer betreut sowie Eislauf-Coach Martin Skotnicky sind in den herzlichen Applaus eingeschlossen.
Skiclub-Vorsitzender Josef Geiger freut sich über die vielen Leute im Kurpark, die so begeistert mit den Sportlern des SCO mitgefiebert hatten. Der kommissarische Präsident des Eissportclubs Harald Löffler zeigt sich zufrieden, dass nach langer Zeit wieder ein Eislauf-Paar aus Oberstdorf zu den Olympischen Spielen geschickt worden war und vergisst auch nicht den fehlenden Curler Daniel Herberg, der mit den Team Füssen auf den fünften Rang erreichte. Bürgermeister Laurent Mies lobt die hervorragende Arbeit der Vereine, deren Früchte man nun ernte und die ihm zeige: „Sport ist nicht Mord, sondern Begeisterung und Leidenschaft“. Der stellvertretende Landrat Anton Klotz dankt einer „großartigen Olympiamannschaft, auf die der Landkreis stolz ist“ und dem ASV-Vorsitzenden Herbert John gefällt der feierliche Empfang, bei dem die vielen Sportfans ihre Top-Athleten einmal so familiär und volksnah erleben dürfen. „Das Allgäu wird auch in Zukunft sportlich von sich reden machen“, versichert er angesichts der viel versprechenden jungen Spitzensportler um ihn herum.Für die geht es nach dem Eintrag ins Goldene Buch hinüber ins Kurhaus zum Stehempfang, wo die Medaillen von Johannes Rydzek und Michael Neumayer noch einmal ausgiebig bewundert werden und die riesige von Konditor Gerlach spendierte Torte ihr „Schlachtfest“ erlebt.
Der Empfang für Silbermedaillen-Gewinnerin Katrin Zeller, die als letzte der Oberstdorfer Athleten die Heimreise aus Kanada angetreten hatte, wird am Mittwoch, 3. März auf dem Dorfplatz in Rubi ebenso feierlich nachgeholt.
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